Wegen der in Südostasien grassierenden Geflügelpest gilt seit Ende Januar ein Importverbot für Hühnerfleisch aus Thailand und China. Trotzdem kann es passieren, dass Restaurantgäste Hühnerfleisch ebendieser Herkunft vorgesetzt bekommen. In den Kühlhallen der Convenience-Food-Produzenten für Gastrobetriebe stapeln sich nämlich noch Bestände aus der Zeit vor dem Verbot. Und die Unternehmen wollen auf die Nutzung dieses Fleisches nicht verzichten.

«Gesundheitlich völlig unbedenklich»
Rund 20 Tonnen Hühnerfleisch aus Thailand stehen etwa beim Lenzburger Gastrolieferanten Traitafina AG zur Weiterverarbeitung bereit. «Das Fleisch wurde im letzten Jahr noch vor Ausbruch der Geflügelpest produziert und ist qualitativ hervorragend», sagt Inhaber und Geschäftsführer Hermann Bader. Eine weitere Hühnerfleischlieferung aus Thailand, die bereits unterwegs war, hat er allerdings Mitte Januar – noch vor dem Importverbot – stornieren lassen. «Natürlich werden wir unsere Kunden über die Herkunft des Fleisches orientieren», sagt Bader.

Schweizer Marktführerin bei der Belieferung von Restaurants mit veredelten Geflügelprodukten ist die Fredag AG in Root LU. Mit einem Volumen von rund 2000 Tonnen jährlich führt sie fast die Hälfte des Gesamtimports von rund 5000 Tonnen Hühnerfleisch aus Südostasien ein. «Das bei uns gelagerte Hühnerfleisch ist gesundheitlich völlig unbedenklich», sagt Geschäftsführer Remo Hansen. «Die Geflügelfarmen in Thailand, die für den Export produzieren, verfügen über einen sehr hohen hygienischen Standard mit einem eigenen Veterinärdienst.»

Ähnlich klingt es beim Bundesamt für Veterinärwesen. Die Weiterverarbeitung des gelagerten Fleisches sei unbedenklich, bestätigt Mediensprecher Marcel Falk. Das Importverbot habe vorbeugenden Charakter und solle das einheimische Geflügel vor dem Virus schützen.

Laut Christian Griot, Leiter des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe in Mittelhäusern bei Bern, wäre selbst der Verzehr von infiziertem Fleisch für den Menschen völlig problemlos. Gefährdet seien nur Personen, die in engem Kontakt mit lebenden, infizierten Hühnern stünden, wie zum Beispiel Geflügelfarmer oder Schlachthofarbeiter. «Ähnlich wie beim Grippevirus erfolgt die Übertragung des Geflügelpestvirus über die so genannte Tröpfcheninfektion», sagt Griot. Ausserdem sei es sehr unwahrscheinlich, dass von der Geflügelpest befallene Hühner zu Fleisch verarbeitet würden: «Drei Tage nach der Ansteckung zeigen die Hühner bereits deutliche Symptome, nach rund fünf Tagen sterben sie meist.»

Keine Asienpoulets bei Coop und Co.
Im Gegensatz zu den Gastrolieferanten reagiert der Detailhandel stärker auf die Ängste der Kundschaft. Nachdem vor zwei Jahren in Hühnerfleisch aus Südostasien Antibiotikarückstände gefunden worden waren, zogen Produzenten und Verkäufer Konsequenzen. Seither verzichten die zwei grossen Hersteller von Convenience-Food, die Hilcona AG im liechtensteinischen Schaan und die Pizoler AG in Sargans, auf Hühnerfleisch aus dieser Region.

Ähnlich das Bild im Detailhandel: Coop, Denner, Pick Pay und Manor geben an, keine Produkte mit Hühnerfleisch aus Südostasien mehr zu führen. Die Migros hatte mit der Produktelinie «Anna’s Best» bis vor kurzem ein Fertiggericht mit thailändischem Poulet im Angebot. Es wurde aber aus dem Verkauf genommen, um, wie die Pressestelle schreibt, «die Kunden nicht unnötig zu verunsichern».

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