Fassungslos steht Andreas Weissen vom World Wide Fund for Nature (WWF) auf der Piste des Skigebiets Fiesch-Eggishorn: Die Bagger der Luftseilbahnen Fiesch-Eggishorn (LFE) haben auf der Alp der Burgergemeinde Lax ganze Arbeit geleistet: Auf einer Strecke von rund einem Kilometer ist die Pflanzendecke abgetragen, eine Moräne wurde durchbrochen, die Steine sind zu grossen Haufen aufgeschichtet.

Bei Regen fliesst Erdschlamm ungehindert in einen kleinen See, wo die Kaulquappen des geschützten Grasfroschs aufwachsen. Zudem sind weite Strecken der kulturgeschichtlich wertvollen Grenzsteinmauern abgetragen worden.

Andreas Weissen schätzt die planierte Fläche auf rund 20'000 Quadratmeter. Dabei fordert die kantonale Bauverordnung bereits für eine Fläche von 500 Quadratmetern ein Baugesuch und einen Umweltverträglichkeitsbericht. Zudem ist laut Bundesrecht für eine Pistenplanierung von über 2000 Quadratmetern eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben.

Doch davon wollten die LFE nichts wissen: Die grossflächige Planierung wurde ohne Baubewilligung vorgenommen und ist somit illegal. Dies bestätigt auch Bruno Eyer von der Kantonalen Baukommission, die die Bewilligungen für Bauten ausserhalb der Bauzone erteilt. Die Kommission habe kein Gesuch erhalten – also gebe es auch keine Baubewilligung.

Der Fiescher Seilbahnpräsident Martin Wellig hält das auch nicht für nötig. Er ist der Meinung, dass «nur ein paar Steine weggenommen wurden», um die Sicherheit für die Skifahrer zu erhöhen. Die Arbeiten seien schon vor langem in Angriff genommen und nun abgeschlossen worden. Wellig: «Alles ist tipptopp gemacht.»
Ganz anders urteilt der betroffene Laxer Alpvogt und Landwirt Christian Bodenmann. In einem Brief an die Luftseilbahnen spricht er von «nicht fachgerechten, brutalen Ausführungen der Arbeiten». Noch ungehaltener reagierte WWF-Mann Weissen. Er hat allen Grund dazu. Denn ausgerechnet er verhalf den Fiescher Bahnen zu einem grünen Image.

Anzeige

WWF fühlt sich betrogen
Vor zwei Jahren versprach der WWF in einer Vereinbarung mit den LFE, nicht gegen die erteilte Baubewilligung für eine Beschneiungsanlage zu rekurrieren. Bedingung: Die Seilbahnen mussten sich schriftlich auf eine Reihe von ökologischen Massnahmen verpflichten. Dazu gehörten etwa die Sanierung früherer Pistenplanierungen, die Aufwertung von Feuchtbiotopen und die Produktion von Solarstrom für die Pumpen. Der WWF sprach von einer «Pioniertat im Wallis» und forderte andere Bergbahnen auf, dem guten Beispiel zu folgen. Auch die LFE lobten die Vereinbarung als «Schulbeispiel».

Doch mit dem Frieden ist es jetzt vorbei: «Wir fühlen unser bisheriges Vertrauen aufs Schwerste missbraucht», teilte Weissen den Fiescher Luftseilbahnen Anfang September mit. Gleichzeitig forderte er diese auf, innert vier Tagen zu den «teilweise sehr grobschlächtigen» Planierungen schriftlich Stellung zu nehmen. Doch stattdessen kam eine Einladung zur nächsten Sitzung des Verwaltungsrats.

Weissen ist allerdings die Lust an weiteren Diskussionen vergangen. Er habe «nach den gravierenden Vorkommnissen keinerlei Gesprächsbedarf», liess er Bahndirektor Peter Heinzer wissen. Der WWF-Mann hat inzwischen eine Strafanzeige gegen die LFE eingereicht.Dass der WWF in Sachen planierter Fläche nicht übertreibt, be

stätigt ein internes Protokoll der Luftseilbahnen. Das vom Fiescher Burgerpräsident und Verwaltungsratsmitglied Heinz Imhasly unterzeichnete Papier beziffert die «kleinen, punktuellen Eingriffe» auf 2000, die «mittleren Eingriffe» und die «bedeutenden Eingriffe» auf je 9000 Quadratmeter – macht zusammen 20'000 Quadratmeter.

Anzeige

Gegenüber dem Beobachter sagt Imhasly allerdings, es handle sich nur um 13'000 Quadratmeter. Er will die illegale Planierung jetzt «im Nachvollzugsverfahren» legalisieren lassen.

Damit haben schon die Zermatter gute Erfahrungen gemacht. Der Skiort erstellte in den letzten Jahren die meisten seiner Beschneiungsanlagen ohne Baubewilligung. Bussen gab es bisher keine. Dazu Joseph Zimmermann, Chefjurist der Kantonalen Baukommission: «Ich habe angeordnet, dass das, was in den letzten zehn Jahren in Zermatt ohne Bewilligung der Kantonalen Baukommission gebaut wurde, im Nachvollzugsverfahren legalisiert wird.»

«Wer im Wallis illegal baut, der wird belohnt», kritisiert WWF-Mann Andreas Weissen. Tatsächlich agierten die Mitglieder der Kantonalen Baukommission bisher ausgesprochen mild. Dieser Stil macht sogar Beamten im Baudepartement Mühe. Ein Mitarbeiter bringt es auf den Punkt: «Bei uns ist die Baupolizei praktisch inexistent.»