Das Jahr begann gut für die ­Zuger Kirschtorte. Genau ein Jahrhundert nachdem in Zug die «Conditorei u. Caffee H. Höhn» 1915 erstmals ein Inserat für das soeben erfundene Gebäck drucken liess, erhob das Bundesamt für Landwirtschaft die Torte diesen Frühling in den kulinarischen Adelsstand: Es nahm sie auf ins Register der Ursprungs­bezeichnungen und geografischen Angaben. Seither ist die schnaps­getränkte Torte geschützt, genau wie das Bündnerfleisch oder das Walliser Roggenbrot. Das passiert nicht allen Lebensmitteln, entsprechend freuts die lokalen Konditoren.

«Sprachlich gesehen ein Ungetüm»

Manche von ihnen hätten es allerdings gern gesehen, wenn die Torte nicht nur geschützt, sondern auch im Stadtbild präsenter würde – indem nämlich die nördliche Ecke des Dreispitzplatzes offiziell den Namen Kirschtortenplatz erhielte. Doch damit hapert es. Nach der Stadtregierung hat unlängst zwar auch der Kanton die Bezeichnung durch­gewinkt. Nun muss sich noch das Verwaltungs­gericht damit befassen: Ein Anwalt, dessen Liegenschaft an den Platz grenzt, wehrt sich mit Händen und Füssen gegen den neuen Namen.

Der Wurm war freilich schon früher drin. Zu Beginn wollte die Stadt den Platz «Zuger-Kirschtorten-Platz» nennen, doch hier schritt die Nomenklaturkommission ein. Sie – deren Bezeichnung auch nicht ganz ohne Zungenbrecherqualität ist – bemängelte, die Bezeichnung sei «sprachlich gesehen ein Wort-Ungetüm mit sechs Silben» und damit eine «eigentliche Totgeburt». Zudem, merkte sie an, wachse auf dem Asphaltplatz weit und breit kein Kirschbaum. Die Stadt lenkte ein. Liess zwar keine Bäume setzen, verschlankte das «Wort-Ungetüm» aber zum «Kirschtortenplatz». Doch dann trat besagter Anwalt auf den Plan. Er erhob Einsprache, weil der Name für fremdsprachige Menschen nicht aussprechbar sei und sich die Stadt damit «zum Gespött» mache: «Der Stadtrat will einen Platz nach einem Produkt benennen, das mit einem gebrannten hochprozentigen Wasser getränkt ist», höhnte er in seiner Eingabe. Für seine Kanzlei und eine Arztpraxis im selben Gebäude sei es indes «unzumutbar, an einer Adresse domiziliert zu sein, die auf ein Alkoholprodukt hinweist».

Stadt und Kanton haben kein Gehör für diese Einwände; wie das Gericht urteilt, ist offen. Womöglich schaut es sich in Deutschland punkto Zumutbarkeit von Namen von Stras­sen und Plätzen um. In Regensburg gibt es eine Fröhliche-Türken-Strasse. Und in Lüneburg trägt eine Strasse den Namen «Auf dem Meere» – sie mündet direkt in die «Neue Sülze».