Unversehens tauchte dieses deutsche Zollhäuschen vor ihm auf. Rentner Lubomir Winnik, 64, ging vom Gas und brachte seinen grünen BMW mit Edelweissklebern an den Kotflügeln zum Stillstand. Winnik hatte nicht mit dem Zoll gerechnet, er musste sich in einem dieser schaffhausischen Zipfel verfahren haben. Eben war der Hobbyfotograf noch in Stein am Rhein gewesen, um die Altstadt zu knipsen. Nun nestelte ein deutscher Grenzer im Kartenfach der Autotür, wo er auf ein handygrosses Futteral stiess - einen Pfefferspray. Winnik hatte den vor Jahren dort verstaut und längst vergessen; die Dose war auch praktisch leer.

Der Beamte fragte, ob er einen Anwalt habe. Der Angesprochene schluckte leer und fragte nach dem Grund. Antwort: Verstoss gegen das Waffengesetz! Winnik wähnte sich im falschen Film. «Ich bin mit diesem Spray schon in ganz Europa gewesen und war mir nicht bewusst, dass ich bewaffnet herumfahre», sagt Winnik. In der Schweiz fallen Pfeffersprays nicht unters Waffengesetz.

Dann wurde er im Zollhäuschen verhört. «Die benahmen sich, als hätte ich die Sicherheit Deutschlands gefährdet.» Anderthalb Stunden später konnte er die Fahrt fortsetzen, nach Hinterlegung von 50 Euro als «Sicherheit für eine zu erwartende Strafe», wie das Hauptzollamt Singen dem Beobachter bestätigt. «Das Ganze ist doch absurd, eine Belehrung hätte ausgereicht», ärgert sich der Gebüsste.

Winnik hatte in all diesen Jahren den Pfefferspray ein einziges Mal eingesetzt: zur Abwehr eines grossen Hundes, der seinen Zwergdackel Napoleon attackierte.

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