Die Zollbeamten in Zürich-Kloten hatten ihren schulmeisterlichen Tag. «Sehr unordentlich gepackt», steht missbilligend auf den Formularen, auf denen Gegenstände aus den Koffern von Rita Bucher (Name geändert) und ihrer beiden Schwestern aufgelistet sind. Erstellt wurde die Liste nach einer Gepäckkontrolle am 23. Mai. Einer der Einträge lautet: «Brustoperation (Helsana).» Dieser Vermerk ist es, der die Ärztin aus dem Baselbiet einen happigen Vorwurf erheben lässt: «Unsere Privat-sphäre wurde schwer verletzt!»

Bucher stört sich vor allem daran, dass die Durchsuchung der Koffer ohne ihre Anwesenheit vorgenommen wurde; die aus Miami kommenden Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt bereits nach Basel weitergereist. Im Gepäck befanden sich sensible medizinische Akten von Rita Bucher: gynäkologische Untersuchungsberichte, Ultraschallbilder, psychologische Gutachten. Und ihre jüngere Schwester führte eine Mappe mit, in der Dokumente und Fotos einer Operation abgelegt waren, der sie sich hatte unterziehen müssen.

Pikant: Dass es sich dabei um einen Eingriff an den Brüsten der Frau handelte, wie die eifrigen Zöllner in ihrem Rapport notierten, konnte nur wissen, wer den Inhalt der Unterlagen genau gelesen hatte; auf der Mappe selbst stand nur der Name des Arztes. «Die Vorstellung, dass Fremde intimste persönliche Details zu Gesicht bekommen haben, erregt Übelkeit», empört sich Rita Bucher.

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Wichtige ungeschützte Daten
Gemäss Zollgesetz ist es den Zöllnern bei so genannten Revisionen erlaubt, Gepäck-stücke zu sichten, wobei «der Eingriff auf das Notwendigste zu beschränken und mit aller Sorgfalt vorzunehmen ist». Bei schriftlichen Dokumenten bedeutet das: anschauen ja, lesen nein. Dass dies hier trotzdem geschehen ist, gibt Andreas Hitz, Leiter des Flughafenzolls in Kloten, zu: «Da ist ein junger Beamter zu weit gegangen – das war ein Fehler.»

Ansonsten verweist Hitz auf die Berechtigung der Zollorgane, im Rahmen ihres Auftrags jederzeit Durchsuchungen vornehmen zu dürfen, unter gewissen Umständen auch ohne Beisein der Eigentümer. Mitverursacht haben den Zwist eine Reihe von Fehlinformationen durch Angestellte der Swiss. «In Miami und auch in Kloten wurde uns mehrmals versichert, dass unsere Koffer erst in Basel kontrolliert würden», sagt Rita Bucher. Die Bucher-Schwestern nutzten für die letzte Etappe nach Basel den «Flugzug», ein Angebot zur Reduktion von Kurzflügen. «Uns war nicht bewusst, dass es im Basler Bahnhof keinen Zoll gibt – den Swiss-Leuten offenbar auch nicht.»

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Tatsächlich erfolgt laut Amtschef Hitz die Zollinspektion auch für die Transitpassagiere zum «Flugzug» in Zürich-Kloten. Mit einem Hinweisschild werden die Reisenden aufgefordert, sich zu melden, wenn sie bei der Kontrolle dabei sein möchten. Wer die Tafel übersieht, hat allerdings Pech gehabt.

Das trägt nicht dazu bei, Buchers Verärgerung über die Flughafen-Zöllner zu lindern. Und auch nicht ihr Misstrauen: Im kontrollierten Gepäck habe es auch wichtige elektronische Daten gehabt: «Wer garantiert, dass sie nicht kopiert wurden?»

In einem geharnischten Beschwerdebrief an den obersten Zöllner der Nation, Bundesrat Kaspar Villiger, hat die Basler Ärztin klar gemacht, dass ihr Vertrauen in die Grenzbeamten dahin ist. «Nach unserer Ankunft waren wir damit beschäftigt, Kreditkarten zu sperren und Computer-Passwörter zu ändern», schreibt sie. «Und sämtliche Unterwäsche zu waschen.»

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