Beobachter: Sie befassen sich beruflich mit dem Leben in der Zukunft. Wird unser Alltag bald von Computern bestimmt sein?
Matthias Horx:
Ich halte das für eines der klassischen Zukunftsgerüchte ohne Tiefengehalt. Natürlich werden wir von Computern umgeben sein. Die Frage ist jedoch: Wie nah rücken sie uns auf den Pelz? Der klassische PC ist heute auf einem toten Ast der Evolution angelangt. Er ist für Normalbürger zu kompliziert, um eine tägliche Gebrauchstauglichkeit zu erzielen. In Zukunft werden Computer keine Tastaturen mehr haben, sie werden auch nicht mehr piepsen und uns ständig zu Reaktionen auffordern.

Beobachter: Auch in unserer Wohnumgebung halten Computer verstärkt Einzug. Mit welchen Funktionen würden Sie selber Ihr Zukunftshaus ausstatten wollen?
Horx:
Ich würde ein «diskretes Haus» bevorzugen, in dem die Technik hinter den Wänden verschwindet und mich nicht belästigt. Wenn ich den ganzen Tag mit der Technik kämpfen, also ständig regeln und kontrollieren muss, ist diese Technik kontraproduktiv. Aber ich möchte schon gerne in einem «smarten» Haus leben, in dem ich die Farben der Wände, den Lichteinfall, die Raumarchitektur, Düfte und Stimmungen verändern kann – und das mit einer einzigen Fernsteuerung! Ideen wie jene des «intelligenten Kühlschranks» halte ich dagegen eher für eine Absurdität. Sie setzen letzten Endes an einer anachronistischen Vorstellung von Haushalt an – am weiblich dominierten Versorgerhaushalt, in dem der Kühlschrank gefüllt sein muss. Die Menschen essen aber immer mehr ausser Haus – da ist ein ständig gefüllter Kühlschrank unsinnig. Dasselbe gilt für die «intelligente Waschmaschine»: Solange man sie mit der Hand be- und entladen muss, macht ihre Intelligenz keinen Sinn.

Beobachter: Welche Elemente des computerisierten Haushalts werden sich durchsetzen?
Horx:
Die Klimasteuerung sowie die vernetzte Hauselektronik, bei der man den Internetzugang auch von der Küche aus hat und das TV-Programm in jedem Raum sehen kann. Sicherheit wird im vernetzten Haus eine grosse Rolle spielen. Und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts werden wir Häuser bauen, in denen Reinigungsroboter arbeiten können.

Anzeige

Beobachter: Sehen Sie eine Gefahr darin, dass wir uns isolieren, da wir dank der neuen Technologien gar nicht mehr aus dem Haus müssen?
Horx:
Das ist eine falsche Vorstellung. Menschen sind Primaten, sie lieben es, sich körperlich zu begegnen. Sie lieben auch die Bewegung, das Unterwegssein. Nie wurde so viel kommuniziert wie im Computerzeitalter, nie wurde so mobil gelebt wie heute – und dieser Trend wird weitergehen. Elektronische und menschliche Kommunikation bedingen und ergänzen einander.

Beobachter: Im Haus der Zukunft herrscht das «Big Brother»-Prinzip – Kinder können etwa beim Spielen mit Video überwacht werden. Bereitet Ihnen diese Vorstellung Sorge oder Freude?
Horx:
Das kommt auf den Kontext an. Wenn man kleine Kinder hat, die etwas Gefährliches anstellen könnten, ist das sehr sinnvoll. Grundsätzlich sollten die Überwachten aber stets auch die «Intimschaltung» einstellen können – also sich vor den anderen verbergen können.

Anzeige