Beobachter: Was ist Carrotmob?
Raphael Faeh: Carrotmob wurde zum ersten Mal in San Francisco durchgeführt. Die Idee ist, das Umweltbewusstsein der Konsumenten zu schärfen – ohne moralischen Zeigefinger. Daher auch der Name: Das Rüebli, englisch «carrot», motiviert den Esel eher vorwärtszugehen als die Peitsche, wobei ich Ladeninhaber nicht mit Eseln gleichsetzen will! Carrotmob ist die Umkehrung des Boykottprinzips. Potentielle Kunden werden an einem bestimmten Tag zu einem ausgewählten Quartierladen dirigiert, um dort einzukaufen. Mit einem Teil des Mehrumsatzes, den der Ladenbesitzer so erzielt, verbessert er die Nachhaltigkeit seines Geschäfts. Die Aufrufe erfolgen via Internet (Facebook, Mails und so weiter), SMS und ganz altmodisch mittels Mundpropaganda und Handzetteln oder Plakaten.

Beobachter: Wie haben Sie den Laden für die Aktion ausgewählt?
Faeh
: Wir Initianten sprachen vorgängig verschiedene Ladenbesitzer in Kleinbasel an. Fünf Geschäfte reichten ihre Unterlagen ein, das Rennen machte Fadil Jakupaj vom Alban Market. Er war bereit, 50 Prozent des am Stichtag erzielten Umsatzes in eigene Umweltschutzmassnahmen zu investieren, deutlich mehr als die anderen. Gemeinsam stellten wir fest, dass in seinem Laden die Beleuchtung ineffizient ist. Zusammen mit einem Energieberater der Industriellen Werke Basel erarbeiteten wir ein Konzept. Wichtig bei Carrotmob ist eben auch, dass die Konsumenten ganz konkret sehen, was mit ihrem Geld geschieht.

Beobachter: War die Aktion ein Erfolg?
Faeh
: Punkto Medienecho sicher, aber auch finanziell. Der Alban Market erzielte am Stichtag – der Laden war während zehn Stunden geöffnet – einen Umsatz von rund 7000 Franken. Wir hatten mit etwa 4000 Franken gerechnet.

Beobachter: Wie kontrollieren Sie, ob das Geld tatsächlich in Energiesparmassnahmen investiert wird?
Faeh: Laut Vertrag entscheiden wir Initianten über die Umsetzung. Wir werden Herrn Jakupaj aber nicht zwingen, etwas Ungewolltes einzubauen, sondern gemeinsam mit ihm die Umsetzung in die Wege leiten. Wir kontrollieren also nicht passiv, sondern sind aktiv dabei.

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Beobachter: Wie geht es weiter?
Faeh: Wir werden Stärken und Schwächen der Basler Aktion auswerten und uns selbstkritisch fragen, was Carrotmob gebracht hat. Und dann entscheiden, ob wir die Aktion – vielleicht in anderem Rahmen und mit anderen Bedingungen – wiederholen. Immerhin interessieren sich mittlerweile Leute in Zürich dafür, auch dort einen Carrotmob durchzuführen.

Raphael Faeh, 28, ist einer der ­Carrotmob-Initianten und Student an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel.