Die Umwelt

Im Frühjahr 2000 wird die Baustelle am Gotthard-Südportal offiziell eröffnet. Beim Bau des 57 Kilometer langen Tunnels werden 24 Millionen Tonnen Gestein aus dem Gebirge gebrochen – 10,6 Millionen Tonnen fallen am Südportal an. Rund ein Drittel wird zur Betonherstellung rezykliert, der Rest wird in einem Steinbruch am Eingang zum Bleniotal deponiert. Das Material wird auf einem Förderband zur Deponie transportiert, wofür die «Alptransit AG» eigens einen 3,2 Kilometer langen Stollen durch den Berg zwischen der Leventina und dem Bleniotal treibt. Die Bauherrin betont, das modernste und umfassendste je auf einer Baustelle in der Schweiz angewandte Umweltmanagement umzusetzen. Die Gemeindepräsidenten der hauptsächlich betroffenen Gemeinden Bodio und Pollegio anerkennen diese Bemühungen. Beide sagen aber, die schon stark belastete Bevölkerung werde sensibel auf Umweltstörungen reagieren – und bei Nichteinhalten der Versprechungen nicht zögern, die Baustelle zu blockieren.

Die Arbeitskräfte

Gemäss jüngsten Schätzungen werden während der Hauptarbeiten am Südportal in Bodio gut 400 Arbeiter beschäftigt sein. Insgesamt schaffen alle Alptransit-Baustellen im Tessin (Bodio, Zwischenangriff Faido, Basistunnel Ceneri, Neubaustrecken) höchstens 2000 Arbeitsplätze. Die Aussicht, dass die Baufirmen die meisten Arbeiter im Ausland rekrutieren werden, schafft soziales Sprengpotenzial. Viele in der Region befürchten, dass – anders als beim Bau des Strassentunnels – nicht Italiener kommen, sondern Tunnelbauer aus anderen Kulturen. Die Tessiner Sektion der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) hat aufzuzeigen versucht, wie wichtig es wäre, den Arbeitskräften Freizeitangebote jenseits von Nachtlokalen und Spielhöllen anzubieten. Die Aufforderung stiess in der lokalen Öffentlichkeit vorderhand auf wenig Interesse – viele sehen nicht ein, warum man denen, die den Einheimischen vermeintlich die Arbeit wegnehmen, noch die Freizeit organisieren soll.

Die Zukunftsaussichten

Während rund zehn Jahren kommt mit dem Bau des längsten Eisenbahntunnels hektische Aktivität, grelles Scheinwerferlicht und weltweite Beachtung ins Tal. Dann wird es schlagartig wieder düster. Die Leventina, befürchtet Franco Celio, FDP-Politiker und Präsident des Nordtessiner Gemeindeverbands, werde mit der auf 2011 geplanten Eröffnung des Basistunnels zur «Peripherie der Peripherie der Peripherie». Verbunden werden die Zentren Zürich und Mailand; Lugano wird zum Hinterland Mailands, Bellinzona zum Vorort Luganos, die Leventina zum Randgebiet Bellinzonas. Grosse Hoffnungen setzen die Nordtessiner auf den Umlagerungseffekt der Alpentransversale. Gelingt es aber nicht, die A2 vom Schwerverkehr zu entlasten, wird der Traum Alptransit für das Nordtessin zum Trauma.

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