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BarrierefreiheitDer Bund macht es Blinden schwer

Auf Webseiten des Bundes konnten sich Blinde die Inhalte vorlesen lassen. Das geht jetzt teilweise nicht mehr.

Mit einem Computerprogramm können sich Sehbehinderte Inhalte vorlesen lassen. (Symbolbild)

Von Veröffentlicht am 14. Dezember 2018, aktualisiert am 14. Dezember 2018

Ausgerechnet der Bund vermasselt es beim Zugang zu seinen Informationen für Sehbehinderte. Das bekommt Beobachter-Beraterin Irene Rohrbach immer wieder zu spüren. Die Juristin ist fast blind und konsultiert für ihre Arbeit regelmässig Informationen auf Webseiten des Bundes. 

Problematische Software-Updates

Mit einem sogenannten Screenreader kann sie sich die entsprechenden Inhalte vorlesen lassen. Ständige Software-Updates sorgen aber in letzter Zeit zusehends für eine Verschlechterung ihres Zugangs zu den relevanten Informationen. 

Aktuell werden auf vielen Seiten des Bundes sogenannte Registerkarten verwendet. Klickt man darauf, erscheint der Text. Nachdem der Bund technische Änderungen vorgenommen hat, kann der Screenreader diese Inhalte aber nicht mehr lesen.

 

«Das ist sehr ärgerlich, denn mein Arbeitgeber ist darauf angewiesen, dass ich die Informationen innert nützlicher Zeit bekomme.»

Irene Rohrbach

 

Das Problem liegt jedoch nicht beim Vorlese-Programm, sondern beim Update des Bundes. «Das ist sehr ärgerlich, denn mein Arbeitgeber ist darauf angewiesen, dass ich die Informationen innert nützlicher Zeit bekomme», sagt Rohrbach Fast blind «Mein Bauchgefühl ist ja nicht sehbehindert»

Protest bei der Bundeskanzlei

Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband hat nun mit einem Schreiben bei der Bundeskanzlei protestiert – mit Erfolg. Laut Bundeskanzlei sollen die Registerkarten auf ihrer Webseite «möglichst zeitnah» durch eine hindernisfreie Darstellung ersetzt und die anderen Departemente über die Probleme informiert werden.

Die Bundeskanzlei betont, dass die Bundesverwaltung der Internet-Barrierefreiheit grosse Bedeutung zumisst und zu diesem Zweck eine eigene Geschäftsstelle mit spezialisierten Technikerinnen und Technikern betreibt. Und eine unabhängige Stelle prüft die Webseiten des Bundes periodisch. 

Stolpersteine bleiben

Für Blinde und Sehbehinderte bieten Software-Updates in allen möglichen Computer-Anwendungen jedoch weiterhin Stolpersteine in ihrem Alltag, wie der Blindenverband erklärt: «Updates sind in der Regel relativ heikel, weil sich immer wieder etwas ändert, was nicht vorhersehbar ist.» Der Verband appelliert deshalb an Softwareentwickler, die Barrierefreiheit nicht zu vernachlässigen. In der Schweiz seien nämlich über 325'000 Menschen von Sehbehinderungen betroffen – Tendenz steigend.
 

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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