«Der Beobachter bleibt der Beobachter» - so habe ich bei meinem Amtsantritt als Chefredaktor vor bald fünf Jahren mein erstes Editorial überschrieben (siehe Artikel zum Thema). Die Zeichen standen damals auf Sturm: Eine Investorengruppe hatte mit einem Überraschungs-Coup die Jean Frey AG und damit den Beobachter übernommen. Der Beobachter in den Händen rechtsbürgerlicher Finanzhaie? Redaktion und Leserschaft waren zutiefst verunsichert.

Ich hege kein blindes Vertrauen in finanzkräftige Potentaten. Aber ich war mir von Beginn weg sicher: Diese Leute sind berechenbar; sie wollen kein Geld verlieren. Und deshalb werden sie sich ­hüten, die Glaubwürdigkeit und die Unabhängigkeit des Beobachters anzutasten. Die Erfahrung der letzten fünf Jahre hat mir Recht gegeben. Oder eigentlich die Erfahrung der letzten 30 Jahre: Fünf Mal kam es zu Besitzerwechseln, seit die Gründerfamilie Ras den Beobachter verkauft hat. (Übrigens: Der Gründer hiess eigentlich Rasworscheg und stammte aus dem damals steirischen Maribor.)

Unter den zahlreichen Besitzern in der Ära nach Ras - einem Lebensmittelhändler, Medienhäusern und Investoren - konnte die Redaktion ihren Kurs stets unbeirrt fortsetzen. Der Beobachter ist seinen Leserinnen und Lesern verpflichtet geblieben - nicht den Geldgebern und Eigentümern. «Stark für die Schwachen»: So heisst nicht nur ein Beobachter-Slogan, so heisst auch die Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Beobachter-Story: Schweizervolk, hilf!») zum 80-jährigen Bestehen unseres Blattes.

Der Start ins Jubiläumsjahr ist nun abermals mit einem Besitzerwechsel verbunden. Der deutsche Axel-Springer-Verlag hat die Jean Frey AG übernommen. Diesmal allerdings ist es auf der Beobachter-Redaktion ruhig geblieben. Denn endlich zeichnet sich ein langfristiges und professionelles Engagement ab. Und die Signale der neuen Besitzer schaffen auf der Redaktion (und hoffentlich auch in der Leserschaft) Vertrauen: «Machen Sie weiter wie bisher!», tönt es aus Berlin (siehe Artikel zum Thema «Axel Springer AG: ‹Machen Sie weiter wie bisher!›»). - Und deshalb gilt nach wie vor: «Der Beobachter bleibt der Beobachter.»

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