Die Sharing Economy, die Öko­nomie des Teilens, ist zum Schlagwort geworden für einen Paradigmenwechsel. Wir sollen weniger materialistisch und unser Verhalten ökologisch verträglicher werden. Auf den ersten Blick eine Win-win-Situation: Wir teilen herumstehende Autos und zeitweise leer stehende Wohnungen, der Verbrauch von Ressourcen nimmt ab, die Kunden profitieren durch günstige, schnell abrufbare Angebote, und wir fördern erst noch willkommene individuelle Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten.

Sharing Economy verheisst mehr Flexibilität, mehr Freiheit in der Gestaltung der Arbeits- und Freizeit, bessere Auslastung vorhandener Kapazitäten und Chancen auf schnellere und nutzerfreundlichere Angebote. Exemplarisch dafür stehen die praktischen Apps der Taxiplattform Uber und des Bettenvermittlers Airbnb. Sie versprechen eine schöne neue Welt, ganz im Sinne der Konsumenten. Entsprechend enthusiastisch wurden die neuen Angebote aufgenommen, insbesondere von einer jüngeren, globalisierten Klientel, die darauf konditioniert ist, sich via Handy schnell und überall fast jeden Wunsch erfüllen zu können.

Andres Büchi, Chefredaktor.

Quelle: Beobachter (Montage)
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«Diese Anbieter gefährden Sozialstandards, die über Jahrzehnte mühsam erkämpft worden sind.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Doch die neuen Geschäftsmodelle krempeln ganze Märkte um, schaffen international dominante Plattform-Kraken, verdrängen Berufschauffeure, konkurrenzieren die Hotelindustrie und gefährden Arbeitsstandards und soziale Sicherheiten, die vorab in der westlichen Welt über Jahrzehnte mühsam erkämpft worden sind. Nach den Recherchen für unsere Titelgeschichte ziehen unsere Autoren Sylke Gruhnwald und Peter Johannes Meier ein kritisches Fazit: «Eine hippe Geldmaschine».

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Jetzt müssen die Regeln ändern

Marktführer Uber und Airbnb haben eines gemeinsam: Sie bieten ihre Dienste auf Plattformen an, deren Spielregeln allein die Betreiber festlegen. Sie sammeln eine Unmenge von Daten über Alltag und Verhalten ihrer Kunden, sie verlangen hohe Gebühren für Chauffeure und Wohnungsanbieter, und sie kommerzialisieren den idealistischen Gedanken des Teilens im allerengsten Eigeninteresse. Dazu passt, dass die globalen Plattformanbieter ihre Einkünfte nahezu steuerfrei aus Europa herausschleusen und in Offshore-Steueroasen bunkern.

Natürlich lässt sich der wirtschaftliche Wandel nicht aufhalten oder verbieten. Aber es braucht dringend Regeln, die etwa Taxiunternehmen und Hoteliers gegenüber den neuen Serviceanbietern nicht klar benachteiligen. Zum Beispiel, indem man Uber und Airbnb Vorgaben macht zu Sozialleistungen, Versicherungen und Qualitätsstandards, wie sie für die herkömmlichen Anbieter auch gelten.

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Die Titelgeschichte

Sharing Economy: Eine hippe Geldmaschine

Airbnb und Uber machen das grosse Geschäft, wenn wir unsere Wohnungen und unsere Autos teilen. Sozialleistungen zahlen sie nicht, ihre Gewinne schleusen sie in Steueroasen.

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Quelle: Christian Beutler/Keystone

Der neue Beobachter ist da

Magische Rituale machen Frauen aus Nigeria zu gefügigen Prostituierten / Fünf Rappen für Abfallsäckli – bringts das? / Stressfreie Feiertage für Eltern

Der Beobachter 42/2016 erscheint am Freitag, 25. November. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Yves Roth
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