Kinder sind ein Glück. Für viele von uns ist ein erfülltes Leben untrennbar mit Sprösslingen verbunden – etliche Paare, die ungewollt kinderlos sind, leiden darunter. Kinder sind auch Glückssache, weil der Zufall immer ein Wörtchen mitredet. Da ist der Wunsch, dem Glück auf die Sprünge zu helfen, verständlich. Und es wird auch immer nötiger, da heute oft der Nachwuchs biologisch zu spät geplant wird – ein idealer Nährboden für die Fortpflanzungsmedizin.

Unsere Titelstory (siehe «Babymacher gross im Geschäft») nimmt das Business unter die Lupe. Trotz peinigenden Prozeduren, mageren Erfolgsquoten und unklaren Risiken zahlen Paare Tausende, um durch künstliche Befruchtung vielleicht doch ans Ziel ihrer Kinderwünsche zu kommen. Wenn nicht, bleibt die Hoffnung, beim nächsten Mal das grosse Los zu ziehen. Es sei wie eine Sucht, sagen Betroffene.

Für die Medizin- und Pharmabranche hingegen geht es um ein Geschäft mit Zukunft. Noch sind hierzulande die gesetzlichen Hürden besonders hoch – auch eine Folge der 1985 lancierten Beobachter-Verfassungsinitiative «Gegen Missbräuche der Fortpflanzungs- und Gentechnologie beim Menschen». Aber die Lobbyisten mühen sich, die Grenzen des Machbaren auszuweiten. Derzeit kämpfen sie für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik, mit der Embryos bereits im Labor genetisch untersucht werden können.

Was medizinisch vernünftig klingen mag, ist moralisch heikel. Niemand kann garantieren, dass künftig wirklich nur Erbkrankheiten bestimmt werden – und nicht andere unerwünschte Eigenschaften. Wer entscheidet dann, was nicht lebenswert ist?

Solchen Fragen werden wir uns stellen müssen, denn der Drang, das Denkbare auch machbar werden zu lassen, ist mächtig. In den USA kann man bereits Embryos des gewünschten Geschlechts ordern. «Family Balancing» heisst dieser letzte Schrei der Familienplanung.

Freuen wir uns also über unverhofftes Glück, solange wir können. Alle vier im Artikel porträtierten Frauen wurden irgendwann doch auf natürlichem Weg schwanger. Eine manipulierte Auswahl? Von wegen – reiner Zufall.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.