Bauern sind der Inbegriff des Bodenständigen, und doch geht es in der Landwirtschaft alles andere als einfach zu. Einerseits geniessen sie viel Wohlwollen: Beim Anblick eines Hofs wird so manchem warm ums Herz – Kuh und Schaf machen die ländliche Idylle perfekt. Kein Wunder also, dass wir uns jeden Betrieb im Schnitt rund 60'000 Franken jährlich kosten lassen. Und wir zahlen fast klaglos noch einmal, wenn wir Fleisch, Früchte und Gemüse zu hohen Preisen kaufen, die selbst zur Erntezeit kaum sinken. Die Bauern sind uns eben teuer.

Anderseits scheint all dies kaum zu nützen, denn trotz hohen Subventionen und Direktzahlungen arbeiten Bauern meist sehr viel für ziemlich wenig Geld. Schlimmer noch: Jeden Tag müssen drei bis vier Landwirte aufgeben. Und mit der Agrarpolitik 2011, die der Bundesrat jetzt in die Vernehmlassung geschickt hat, soll das Sterben unrentabler Kleinbetriebe weiter beschleunigt werden. Kurz: Mit Milliarden wird ein Wirtschaftssektor, in dem keine vier Prozent der Erwerbstätigen arbeiten, gerade so weit am Leben erhalten, dass der unvermeidliche Strukturwandel nicht so dramatisch abläuft.

Wie kommen in dieser Situation die Bauern über die Runden? Christoph Schilling hat für unsere Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Landwirtschaft: Die heilige Kuh») vier Landwirte eingehend befragt und sich dabei Einblick in ihre Buchhaltung geben lassen. Auch in der Nahaufnahme wirkt das System absurd: Einerseits überträgt die Bundesverfassung dem Bauern «multifunktionale Aufgaben» – er soll die Versorgung der Bevölkerung sichern, die Kulturlandschaft pflegen und für eine dezentrale Besiedlung sorgen –, anderseits kommt er dabei im konkreten Fall auf nicht einmal sechs Franken Stundenlohn.

Wäre es da nicht an der Zeit, die Aufgaben der Agrarwirtschaft realistischer zu definieren? Und – wie es einer der porträtierten Landwirte vorschlägt – das Gros der Kleinbauern zu staatlich (und fair) besoldeten Landschaftsgärtnern zu machen sowie auf aufwändige Subventionssysteme zu verzichten? Denn faktisch sind die Bauern schon jetzt auf dem Weg zum Staatsdiener: Mit der Agrarpolitik 2011 soll der Anteil der Direktzahlungen am bäuerlichen Einkommen auf fast 80 Prozent steigen.

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