6. Dezember, 14 Uhr. Flugtest in der Basler St. Jakobshalle. Die Crossair hat zur Generalversammlung geladen. Geprobt wird der Neustart im Schweizer Fluggeschäft. Die Übung steht unter keinem guten Stern. Da ist seit Tagen eine gehässige Stimmung. Und eine zunehmend irritierte Öffentlichkeit. Ist Crossair-Gründer Moritz Suter nun wirklich «der fähigste Schweizer Flugunternehmer» (Frank A. Meyer, Ringier) oder «ein auf sich bezogener Mann, der nicht harmonisch eingegliedert werden kann» (Rainer E. Gut, Nestlé)?

Das wochenlange Theater um Chefposten, Verwaltungsratsmandate und Ehrenämter nahm peinlich kleinliche Züge an – und lenkte von den Hintergründen ab. Denn eigentlich ging es gar nicht um die Qualifikation des charismatischen Mannes, sondern um den Kampf zweier Machtkartelle. Hier die Swissair-Konzernpiloten, stets bemüht, die Ansprüche des Basler Störenfrieds tiefer zu lotsen. Dort die Crossair-Kreuzflieger, getrieben vom Wunsch nach Vergeltung. Und schliesslich die Banker, die Politiker, die Lobbyisten hüben wie drüben: Schweizer Filzwerk vom Feinsten.

Bereits 1993 hatte Suter das Projekt «Alcazar» attackiert und sich vehement gegen den ersten Versuch gestemmt, die Swissair in eine Kooperation europäischer Fluggesellschaften zu steuern. In der Folge durfte Suter sein eigenes Modell präsentieren. Damaliger Name des Projekts: «Phoenix». Damaliger starker Mann im Swissair-Verwaltungsrat: Rainer E. Gut von der Credit Suisse.

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Im letzten Oktober stieg «Phoenix» wieder aus der Asche empor.

Moritz Suter holte mit seinem Basler Freund Marcel Ospel, Chef der UBS, zum finalen Schlag gegen die Swissair-Strategen aus. Nachlassstundung, Grounding. Der Triumph der Basler war von kurzer Dauer. Rainer E. Gut, inzwischen Ehrenpräsident der UBS-Konkurrentin, brachte die alten Seilschaften aus «Alcazar»-Zeiten wieder ins Spiel. Filz vom Feinsten.

Mit Mario Corti, dem glücklosen Swissair-Manager, wundert man sich über «ständige Streitereien und Machtspiele». Corti im «Tages-Anzeiger»: «Das schafft bei der Bevölkerung kein Vertrauen.» Und der St. Galler Wirtschaftsprofessor Manfred Timmermann meint im Beobachter-Interview: «Dass ein unrentables Unternehmen in Konkurs geht, gehört zur Marktwirtschaft. Aber nicht auf diese unwürdige Weise.» Wie wahr.

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