«So profitieren Sie vom Wirtschaftsaufschwung», titelt das eine Magazin, «Reich nach Plan» das andere, und das dritte verspricht: «Jetzt kommen die fetten Jahre.» Na prima. Dann kommt die neuste Ausgabe des Beobachters nach Hause, und was steht vorn drauf? «Jung, arm – chancenlos.»

Moment mal: Leben wir nun im Wirtschaftswunderland, wie uns das die Magazine eins bis drei versprechen – oder leben wir in einem Land mit massiven Problemen, wie das der Beobachter schreibt?

Alles eine Frage der Optik. Natürlich sind die Stellenanzeiger so dick wie selten zuvor, natürlich bringt die Globalisierung ganz neue Chancen. Gleichzeitig verdienen aber eine halbe Million Menschen in der reichen Schweiz weniger als 3000 Franken monatlich. Merke: Wo es viele Gewinner gibt, da häufen sich die Verlierer. Im Rampenlicht der drei Magazine stehen die Sieger. Klar doch, die Welt will «Winner» sehen.

Der Beobachter richtet die Scheinwerfer dorthin, wo es normalerweise dunkel ist. Und widmet seine Titelgeschichte ganz speziell all jenen, die nichts dafür können, dass sie auf der Verliererseite stehen: den Kindern und Jugendlichen.

Jugendarmut war in der Schweiz bisher kein Thema, selbst für die Wissenschaft. Und die kümmert sich normalerweise selbst um Ameisen in Sibirien. «Kinder als Armutsbetroffene werden meist unter dem Begriff Familie subsumiert. Forschungssubjekte sind sie selten», heisst es in einer Studie. Auf Deutsch: Tut uns Leid, dazu können wir nichts sagen.

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Und das, obwohl heute rund 30 Prozent aller Sozialhilfebezüger jünger als 18 Jahre sind. 100000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz leiden unter der Armut der Eltern.

Die Folgen sind verheerend: Wenn Jugendliche das Gefühl bekommen, sie hätten keine Chance, dann führt das zu «einem Schwelbrand, der explodieren kann», heisst es in einer Caritas-Studie. Lesen Sie unsere Titelgeschichte.

Aber lesen Sie nicht nur, tun Sie auch etwas. So wie meine 40 Redaktionskolleginnen und -kollegen. Wir alle stiften zwei Prozent unseres Juni-Lohns an die Stiftung SOS Beobachter. Weil sie immer wieder Familien und Kindern in Not hilft. Und weil diese Hilfe nötiger ist als je zuvor, allem Wirtschaftswachstum zum Trotz.

Journalistinnen und Journalisten sind keine Spitzenverdiener. Trotzdem gehören auch wir zu den Gewinnern – ganz ohne Aktienportefeuille. Wenn Sie Ähnliches von sich selbst sagen können, dann helfen Sie mit, jenen eine Perspektive zu geben, die sie am dringendsten brauchen: den Kindern und Jugendlichen.

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