Game-Designer ist ein Traumberuf. Nur wenige schaffen es bis dahin. In ihrem exklusiven Kreis trifft man nicht auf postpubertäre ­Gamer, sondern auf bestausgebildete Ingenieure, Informatiker und Designer, um die sich der Rest der Wirtschaft bemüht.

Trotzdem hängt das einstige Schmuddel-Image von der Ballerspielebranche wie eine dunkle Wolke über ihnen. Es ist, als müssten sie ständig betonen, wie kreativ sie sind, wie wertvoll ihre Games und dass die heutigen Gamer die nächsten Wirtschaftsführer sein werden. Irgendwann fällt im Gespräch auch der Hinweis, dass Games längst mehr Umsatz machen als Filme.

Das mag stimmen, aber warum dieser Drang zur Rechtfertigung? Die Hersteller von Laufschuhen erklären ja auch nicht ständig, dass sie mehr Umsatz machen als Skiproduzenten.

Quelle: Holger Salach

«Die Schweiz hat beste Voraussetzungen, ein Game-Land zu werden.»

Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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Der Verweis auf den Film kommt aber nicht von ungefähr. Vor 100 Jahren kämpfte die Filmindustrie mit denselben Vorurteilen. Film war Jahrmarkt, war Kunst für den Kübel. Und der Glaube an seine Zukunft war klein. Nach der ersten öffentlichen Filmaufführung – am 28. Dezember 1895 im Keller des Grand Café in Paris – erklärte Regisseur und Theaterbesitzer Georges Méliès einem jungen Mann: «Diese Erfindung ist nicht zu verkaufen, und für Sie wäre sie der Ruin. Man kann sie einige Zeit als wissenschaftliche Kuriosität ausbeuten, aber davon abgesehen besitzt sie keine kommerzielle Zukunft.»

Wir wissen, Méliès hat sich geirrt. Der Film wurde zur Kunstform des 20. Jahrhunderts. Das werden Games für das 21. Jahrhundert zwar nie sein. Aber die Game-Industrie ist bestimmt ein wichtiger Treiber der digitalen Revolution. Andrea Haefely, Markus Föhn und Daniel Benz haben für unsere Titel­geschichte «Gut im Spiel» die Cracks der Schweizer Szene besucht und festgestellt: Die Schweiz hat beste Voraus­setzungen, ein Game-Land zu werden.

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Sie bringen das Leichtfüssige ins Leben

Wenn sie diesen Platz ausfüllen will, ist mehr nötig als nette Worte und beste Hochschulen. Es braucht Wagniskapital, gute Standort­bedingungen und Steuergesetze, die Start-up-Firmen unterstützen und nicht behindern. Und vor allem: mehr Offenheit in den Köpfen. Von der Idee, dass nur Denkspiele gute Spiele sind und Games bestenfalls Zeitvertreib, nehmen wir besser Abschied.

Denn Spiele bringen das Leichtfüssige in unser Leben zurück, einen Hauch von Freiheit. Wie im Spiel «Shiny» der Zürcherin Janina Woods, in dem man, von sphärischen Klängen begleitet, durch den Raum schwebt und bunte Würfel zerplatzen lässt, um länger in der Traumwelt bleiben zu können.

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Quelle: Luxwerk
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Der neue Beobachter ist da

Lesen Sie die komplette Titelgeschichte «Gut im Spiel» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

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Der Beobachter 13/2016 erscheint am Freitag, 24. Juni. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Luxwerk &nbsp