Verkehrslärm, Luftverschmutzung, unzureichende Wohnungsqualität und der höchste Ausländeranteil im Kanton Schlieren ZH ist alles andere als eine Schweizer Idylle. Die Stadt verrät viel über den Zustand des Landes: Probleme, die man andernorts eher noch verdrängen könnte, werden in der Agglomerationsgemeinde unübersehbar. Im Mikrokosmos Schlieren sind Daniel Benz und Ueli Zindel der Frage nachgegangen, wie das Zusammenleben von Schweizern und Ausländern funktioniert («Sich im eigenen Land fremd fühlen», Seite 20). Tenor vor Ort: Lange geht das nicht mehr gut.

Mit Ausländerhass hat dieser Befund in den wenigsten Fällen zu tun. Wer sich umhört, spürt Unbehagen oder gar Angst selbst bei denen, die auf «öisi Ussländer» eigentlich nichts kommen lassen wollen. In Schlieren, so scheint es, gibt man sich alle Mühe, die Fremden zu integrieren und sieht sich angesichts eines stetig steigenden Ausländeranteils bald am Ende der Kräfte.

Dieses Gefühl der Überforderung war auch bei vielen Reaktionen auf unsere Ausländer-Titelgeschichte Ende Juli zu spüren. Daneben setzte das Thema enorme Aggressionen frei. Zwei Ethnologen haben die wochenlange Internetdebatte der Leserinnen und Leser unter die Lupe genommen («Fast ein Bürgerkrieg», Seite 31). Frappierend: Bei vielen Wortmeldungen ging es gar nicht mehr um Ausländer, sondern Schweizer beschimpften sich gegenseitig. «Auseinandersetzungen dieser Art sagen mehr über das Eigene aus als über das Fremde», so der Kommentar der beiden Experten.

Anzeige

Das Fremde kann verunsichern und bedrohen aber auch faszinieren und den Horizont erweitern. Ohne die Sehnsucht nach der grossen weiten Welt, nach fremden Kulturen liesse sich kaum die Faszination verstehen, die der Diplomatenberuf noch immer ausübt. Dabei hat er nicht erst seit Thomas Borers Abgang wenig mit Glamour, dafür viel mit zäher Arbeit zu tun. Birthe Homann hat beobachtet, wie sich Nachwuchsdiplomaten beim Verhandlungstraining schlagen («Kämpft für euer Land!», Seite 46).

Gekämpft hat auch der Student Mauro Nogara. Er überwältigte gemeinsam mit dem Bus-Chauffeur Marcel Schöpfer am 6. September den Amokläufer, der in der zürcherischen Gemeinde Obfelden 14 Menschen verletzt hatte. Nogara sprach mit Urs von Tobel über seine Tat («Ich schaltete auf Autopilot», Seite 88). Von seiner Courage will der Student nicht viel Aufhebens machen: «Ich schaue nicht weg, wenn jemand Hilfe braucht.»

Anzeige