Da hilft weder Handy noch Internet: Vom «Liassischen Beobachter», jener stolzen Zeitung der Steinzeit, werden Sie kein einziges versteinertes Editorial finden. Hingegen eine wunderschöne Geschichte, die wir Friedrich Dürrenmatt verdanken. Sie berichtet aus jenen Tagen, als die aktuellsten Nachrichten etwa über die Ausbreitung der Saurier oder die Faltung der Alpen noch in Rinde geritzt oder in Stein gemeisselt erschienen. Eine herrliche Parodie auf den menschlichen Erfindergeist im Allgemeinen und auf die Entwicklung des Zeitungswesens im Speziellen.

Friedrich Dürrenmatt, Schweizer Schriftsteller von Weltrang, schrieb den Text im Juni 1949 zum 60. Geburtstag des Beobachter-Gründers Max Ras. Als «jahrhundertelanger Redaktor des Liassischen Beobachters» beschreibt er darin die «mühselige und zyklopische Arbeit» eines Journalisten, der seine Extrablätter und Sondernummern noch ins Tal hinunterrollen musste und seine gewichtigen News «an schlafenden Sauriern vorbei über einen ständig wankenden Boden» in die Höhlen seiner Mitmenschen wälzte.

Es war wir ahnen es «ein gefährliches Unterfangen», und manch einer wurde dabei «unter einem stürzenden Zeitungsblatt, an dem er vielleicht nur noch den Abonnementspreis hinzufügen wollte, für immer begraben».

Heute rollt uns, wenn der Beobachter in die Postverteilzentren gelangt, allerhöchstens noch ein Stein vom Herzen gar so riskant ist das Geschäft also nicht mehr. Hingegen hat der Erfindergeist alle Eiszeiten überlebt und ebenso die Skepsis gegenüber Neuem. Bei Dürrenmatt war es noch «die Entdeckung der Kreide und ihre Verwendung in der Schreibkunst», die bei Liebhabern des «reinen lakonischen Stils der Liassischen Klassik» Besorgnis weckte. Heute sind es die neuen Kommunikationsmittel wie Internet oder Handy, die manchen Zeitgenossen zum Kulturpessimisten machen. Verludert die Sprache? Vereinsamt der Mensch? Und überhaupt: Wird alles nur hektischer, flüchtiger, schlimmer?

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Irgendwann wird man wohl auch über diese Bedenken schmunzeln. Sinnvoll eingesetzt, bieten die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien nämlich faszinierende Möglichkeiten. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten sehen das ebenso und telefonieren und mailen und chatten wie wild. Damit das ohne zyklopische Anstrengung geht, bietet der Beobachter ab sofort die nötigen Tipps und verlässlichen Infos im neuen Ratgeberteil «Multimedia».

Übrigens: Dürrenmatts «Liassischer Beobachter» hielt sich im Erdmittelalter durch mehrere Millionen Jahre. Die Chancen sind intakt, dass auch der heutige Beobachter ein biblisches Alter erreicht. Jedenfalls steigt seine beglaubigte Auflage weiter an: im letzten Jahr um 1151 auf neu 334369 Exemplare. Das hat die Medienforschung ermittelt. Und sofern nicht eine neue Alpenfaltung dazwischenkommt, wirds bei dieser schönen Entwicklung bleiben.

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