Der Fall scheint klar: Wenn die deutschen Discounter Aldi und Lidl ins Land kommen, kann das Konsumentenherz höher schlagen. Endlich wird der Einkauf billiger. Auch wer Geiz nicht einfach geil findet, darf sich über das Ende der unerklärlich hohen Schweizer Preise freuen. Meine Zahnpasta etwa kostet hier bis zu viermal so viel wie in Deutschland. Da es sich diesseits und jenseits der Landesgrenze ums gleiche Produkt handelt, zieht das Argument der besseren Qualität nicht. Gerade dieses aber bemühen die hiesigen Grossverteiler sonst gern, um uns ihre höheren Preise schmackhaft zu machen.

Was ist dran am guten Ruf der Schweizer Produkte? Martin Müller und Ursula Gabathuler liessen Fachleute Lebensmittel von Migros, Coop, Denner sowie Aldi und Lidl degustieren (siehe Artikel zum Thema «Billig-Discounter: Die Grenzen des guten Geschmacks»). Fazit der Stichprobe: Schweizer Produkte schmecken zumindest anders. Daran dürfte die deutsche Billigkonkurrenz zu knabbern haben, wenn sie hier Fuss fassen will.

Einen bitteren Beigeschmack bekommt der Preiskampf allerdings, wenn man die Auswirkungen auf die Angestellten betrachtet, wie dies Urs Fitze getan hat (siehe Artikel zum Thema «Detailhandel: Personal zum Schleuderpreis»). Billiger einkaufen bedeutet mehr Effizienz und weniger Stellen. Noch ehe die neue Konkurrenz da ist, hat der Detailhandel schon 10000 Jobs gestrichen. Und der Trend, die Filialen mit immer weniger Personal zu betreiben, wird sich fortsetzen. Geiz ist geil? Alles eine Frage der Sichtweise.

Gegensätzliche Sichtweisen prägen auch das Leben von Hans Hangartner, den Edith Lier porträtiert hat (siehe Artikel zum Thema «Hans Hangartner: Der verkannte Regengott»). Er ist überzeugt, mit seiner Maschine Regen erzeugen zu können. Dass es nach diversen Einsätzen des Geräts in Dürregebieten tatsächlich geregnet hat – und Hangartner von der Bevölkerung gefeiert wurde –, hält die Wissenschaft jedoch nicht für aussagekräftig. Dabei ist das Funktionsprinzip der Maschine nachvollziehbar; ähnliche Überlegungen stellte gerade ein Forscherteam bei einem Kongress in Spanien an. Der 84-jährige Hangartner will nun allen beweisen, dass er kein Scharlatan ist.

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