43 gekochte Rosenkohlröschen verschlang der Engländer Dave Mynard in einer Minute. Extrem. Für Genuss bleibt da kein Platz. Nur: Wie lange haben Sie für Ihre letzte Mahlzeit gebraucht? Zwei Minuten? 20 Minuten? Zwei Stunden? Als Folge von Stress, Hektik oder Reizüberflutung verkommt das Essen mehr und mehr zur Pflicht im Stil eines Wettessens. Für Genuss bleibt auch bei uns kaum Platz.

Schade, denn die Fähigkeit zu geniessen trägt wesentlich zur Lebensqualität bei. Doch wahrer Essgenuss setzt einiges voraus: In erster Linie Zeit, dann einen schön gedeckten Tisch, angenehme Menschen, anregende Gespräche.

Das Fondue erfüllt alle diese Genussfaktoren spielend. Bloss widerspricht das helvetische Nationalgericht sämtlichen Ernährungsgrundsätzen: Es ist extrem fetthaltig, wird vorzugsweise mit nährwertarmem Weissbrot gegessen und mit reichlich Alkoholischem
begossen.

Gleichwohl ist ein genussvolles Fondueessen mindestens so gesund wie ein hastig verschlungener Gemüseteller – wofür die Genussforschung reichlich Belege liefert. Ungesund ist höchstens, was man nicht geniesst. Wer dagegen in Musse und angenehmer Runde speist, kann sich gar nicht über(fr)essen. Wahre Geniesser kosten ein genussvolles Erlebnis mindestens einen Tag lang aus, haben zwei bis drei solcher Erlebnisse in der Woche und lassen sich nicht von Schuldgefühlen plagen. Auf diese Weise leben sie vielleicht nicht länger, zweifelsfrei aber gesünder.

In diesem Beobachter-Extra finden Sie die ganze Bandbreite. Vom gemütlichen Fondueplausch bis zum Rosenkohlröschen-Fressrekord. Sie haben die Wahl – guten Appetit!

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.