Da sind wir uns doch seit Jahrzehnten einig: Wenn die Kinderzahl in der Schweiz nicht dramatisch weiter sinken soll, müssen die Mütter wirtschaftlich gestützt werden. Den Frauen, unserer Wirtschaft, unserer AHV und damit uns allen zuliebe. Seit bald 60 Jahren steht deshalb in unserer Bundesverfassung: «Er (der Bund) richtet eine Mutterschaftsversicherung ein.»

Ein klarer Auftrag, doch eine schwierige Umsetzung. Denn über die Mutterschaft lässt sich herrlich streiten: Ist sie eine Krankheit, ein Risiko, eine vom Staat erwünschte und deshalb förderungswürdige Leistung? Soll sie im Krankenversicherungsgesetz, im Arbeitsgesetz oder gar in einem Mutterschaftsgesetz geregelt werden? Wollen wir eine staatliche oder eine privatwirtschaftliche Lösung, eine Versicherung oder eine Prämienlösung? Dürfen auch nicht erwerbstätige Mütter profitieren, oder können gar Väter einen Mutterschaftsurlaub beanspruchen? Jeder Lösungsansatz ist umstritten – und der kleinliche Streit hat bisher stets verhindert, dass ein Kompromiss zustande gekommen ist.

Am 26. September stimmen wir erneut über einen Lösungsvorschlag ab. Die Verrenkungen vieler Politiker sind unübersehbar. Für den Schutz der Mütter sind zwar alle – aber doch bitte nicht so! Die Geduld der Frauen wird damit erneut strapaziert. Ein Glück nur, dass meine eigene Mutter nicht auf die Einsicht der Politiker gewartet hat. So durfte ich fast so alt und grau werden wie der uneingelöste Verfassungsauftrag zum Schutz der Mütter.

Ich weiss: Die Frauen bilden die Mehrheit in unserem Land und könnten an der Urne leicht eine Änderung erzwingen. Doch das Rollenspiel der Geschlechter funktioniert nach seinen ganz eigenen Regeln. In unserer Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Gesellschaft: Die Leichtigkeit des Paschaseins») haben wir einen spielerischen Zugang zur Thematik gesucht. Auch in diesem Spiel steht – wie so oft im Leben – die Mutterschaft im Zentrum. Sie löst einen eigentlichen Karriereschub aus – beim Mann.

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