Lesen hat manchmal einen ganz konkreten Nutzen. Zum Beispiel in Form von gespartem Geld. In meinem Fall sind es exakt 70 Franken. So viel habe ich der Rega bisher als Gönnerbeitrag zukommen lassen, doch damit ist vorderhand Schluss. Von gemeinnützigen Organisationen erwarte ich Transparenz, und genau damit tun sich die Rettungsflieger schwer.

Da werden Millionen für untaugliche Helikopter-Spezialausrüstungen ausgegeben, doch in den Jahresberichten steht kein Wort darüber. Auch von den Beteiligungen an kommerziellen Firmen wie etwa der Medicall wissen die wenigsten Gönner etwas. Und neu ist wohl auch für die allermeisten, dass die Rega Flüge für millionenschwere Ölscheichs anbietet. Oder für den Staat Asylanten ausschafft – natürlich gegen Bares. Lesen Sie die Titelgeschichte.

Wir bleiben beim Thema Geld. «Die Sieger sahnen ab» – so lautet der Titel des Interviews mit dem St. Galler Wirtschaftsethiker Peter Ulrich. Gegner ausschalten, grösser werden, Gewinner sein – nach diesem System funktioniert die Wirtschaft. Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner redet mittlerweile unverblümt vom «Brutalo-Kapitalismus». Die grassierende Fusionitis trägt wesentlich dazu bei.

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Ulrich ist zumindest in diesem Punkt optimistisch: «Die Gigantomanie wird in fünf bis zehn Jahren vorbei sein.» Es wäre zum Wohl der Konsumenten. «Die Zusammenschlüsse haben zumeist den Zweck, die Preise hoch zu halten und den ohnehin nur schwachen Preiswettbewerb auszuschalten», schreibt das Wirtschaftsblatt «Cash». Denn wo der Shareholder-Value das Mass aller Dinge ist, bleiben entweder Arbeitsplätze oder der «Consumer-Value» – in Form von tieferen Preisen – auf der Strecke.

«Alles lässt sich nicht gleichzeitig maximieren», sagt auch Peter Ulrich im Interview. Und schiebt gleich nach: «Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich seit zehn bis fünfzehn Jahren dramatisch.» Recht hat er, wie der Artikel zeigt. Hunderttausende rackern sich in diesem Land für Hungerlöhne ab. Und das in der angeblich so reichen Schweiz. Wollen wir wirklich in ein paar Jahren «soziale Kasten, die nichts miteinander zu tun haben», so wie sie uns Ulrich im schlimmsten Fall prophezeit? Wer darauf mit Ja antwortet, liest definitiv das falsche Heft.

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Und jetzt noch eine Mitteilung in eigener Sache. «Wenns im Beobachter steht, dann stimmts», das ist ein viel gehörter Satz. Aber auch uns unterlaufen hin und wieder Fehler. Das ist menschlich. Und es ist ein Zeichen von Stärke, zu Fehlern zu stehen. Genau deshalb finden Sie ab dieser Nummer ein neues Gefäss namens «Korrigenda». Wir werden uns bemühen, diese Rubrik möglichst klein zu halten. Und falls Sie sie mal in einer Nummer gar nicht finden – umso besser.