«Kann es sein», fragt David Warburton, «dass der subjektive Nutzen von einer üppigen Portion Schlagrahm oder einem Glas Whisky bedeutsamer ist als der Bruchteil eines Jahres, um den solch sündiges Tun meine statistische Lebenserwartung womöglich verkürzt?» Es kann! Dies belegen Erkenntnisse der Genussforschung, deren Begründer Warburton ist. Zahlreiche Studien zeigen, dass genussvolle Erlebnisse Schokolade essen, Kaffee trinken, Sex die körperliche wie die seelische Gesundheit günstig beeinflussen.

Lässt sich aus solchen Studien schliessen, dass es nichts Ungesundes gibt? Im Prinzip ja! Die Voraussetzung ist allerdings, dass wir die Dinge, die wir täglich tun besonders essen und trinken , genussvoll tun. Doch unsere Genussfähigkeit verkümmert zusehends: Stress, Hektik, Reizüberflutung, Einzelgängertum und Ähnliches sind die grössten Genusskiller.

Was zeichnet den versierten Geniesser aus?

  • Er kann ein genussvolles Erlebnis mindestens einen Tag lang auskosten.

Er hat zwei bis drei Genusserlebnisse pro Woche.

Er verzichtet höchstens einmal pro Woche aufs Geniessen, weil er sich vor negativen Folgen fürchtet.

Wenn er Ja sagt zu einem genussvollen Erlebnis, wird er nachher nicht von Schuldgefühlen geplagt.

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Er weiss, dass er immer wieder genussvolle Erlebnisse haben wird.

Falls Sie nicht alle fünf Kriterien erfüllen, nehmen Sie sich einfach die zehn goldenen Genussregeln Gero von Randows zu Herzen: 1. Übe dich im Genuss. 2. Gib dich hin, und du wirst beschenkt. 3. Lasse alle Sinne frei. 4. Spiele mit dem Mass. 5. Finde den Rhythmus. 6. Verbrauche die Zeit, und sie bleibt stehen. 7. Inszeniere die Gemeinschaft, fühle dein Ich. 8. Gehe liebevoll mit Menschen und Dingen um. 9. Fürchte dich nicht vor der Lust. 10. Werde ein Kunstwerk.

Wem das zu knapp ist, dem bietet Gero von Randow auf 240 Seiten ausgiebig Einblick in die grenzenlose Welt des Genusses («Geniessen eine Ausschweifung», Hoffmann & Campe, 2001, Fr. 36.10).

Die Schlüsselfrage für Genusswillige lautet demnach «Was tut mir gut?» und nicht «Was kann mir schaden?».

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Ungesund ist höchstens, was man nicht geniesst. Wer mit reichlich Zeit und anderen Menschen ein Essen zu sich nimmt, kann sich gar nicht über(fr)essen.

Wahre Geniesser leben vielleicht nicht länger, zweifelsfrei aber gesünder. Oder wie der Wandspruch in einem Schlemmerlokal besagt: «Lustig gläbt und selig gstorbe, isch em Tüüfel s Spiel verdorbe.»