Es gab noch keinen Rinderwahnsinn, kein Aids und kein Ozonloch. Vom gravierenden Schnapskonsum der Schweizerinnen und Schweizer war die Rede, von der «viel umstrittenen Prügelstrafe für Kinder» oder vom weit verbreiteten Kariesproblem. Besonders smart präsentierte sich das «Overland»-6-Zylinder-Automobil («keine Überhitzung auf höchsten Alpenstrassen»). Statt CD-Player schenkte man sich «Schweizer Werk mit Schneckentrieb und Resonanz-Tonführung aus bestem Geigenholz». Und in Wettbewerben waren keine Handys zu gewinnen, sondern schlicht «zehn Ankenballen von je zirka zehn Kilo Gewicht».

Das war, so würden meine beiden Teenies nun sagen, «vollfett»: die gute alte Zeit.

Richtig, wir blättern hier für einmal weit zurück, schmökern in den ersten Seiten des ersten Schweizer Konsumenten- und Beratungsmagazins. Sein Name: Der schweizerische Beobachter. Denn der Wechsel ins definitiv neue Jahrtausend ist für den Beobachter von spezieller Bedeutung: Er startet in seinen 75. Jahrgang. Und er tut das wie sagt man bei Jubilaren? «in alter Frische»: profiliert, pointiert und engagiert. Wie eh und je.

Beispiel gefällig? Thema Tourismus. «Es wird immer deutlicher, dass sich unsere Fremdenverkehrsorte viel mehr als bisher auch mit den Schattenseiten der technischen Erschliessung ihrer touristischen Einzugsgebiete befassen müssen. () Die Ruhe ist bis weit in die Berge hinein zur eigentlichen Mangelware geworden. () Es geht darum, das rechte Mass zu finden.» Das schrieb der Beobachter 1961! Die Zeilen haben nichts an Aktualität verloren, im Gegenteil.

Anzeige

Noch länger, noch grösser, noch teurer: In verschiedenen Schweizer Skigebieten wälzt man gigantomanische Ausbauprojekte. Der Beobachter nahm die Ideen unter die Lupe. Fazit: Die meisten Zukunftspläne sind Schnee von gestern sie setzen auf Quantität statt auf Qualität; sie sind wirtschaftlich fragwürdig und ökologisch bedenklich. Vor allem aber zielen sie an den wichtigsten Bedürfnissen und Sehnsüchten der Menschen vorbei. Wer sucht schon die Masse? Nicht zusätzliche Pistenkilometer sind gefragt, sondern Erholungs- und Erlebniswelten auf der Reise, im Skiort, im Hotel, in der Natur. Ideenvulkane statt Schneekanonen, das wünschen wir uns.

Apropos Ideen, apropos Jubiläum: Josef Rennhard, ehemaliger Chefredaktor und bis vor kurzem noch Präsident unserer Stiftung SOS Beobachter, gab uns eine besondere Anregung mit ins neue Jahr. Der Anlass: Auch SOS Beobachter feiert im 2001 einen runden Geburtstag die Stiftung hilft seit nunmehr 20 Jahren unzähligen Menschen in Not. «Wie wärs», fragt Rennhard, «wenn man die Leserschaft aufrufen würde, SOS Beobachter mit einem Spendenbetrag mit der Zahl 20 zu unterstützen also mit 20 Franken, 200 Franken, 2000 Franken?» Wir reichen die Idee gern weiter: Postcheckkonto 80-70-2.

Anzeige