Sie hängen herum, trinken Alkohol bis zum Umfallen, lassen den Abfall auf Plätzen und Strassen liegen Jugendliche sind ein Problem in unserem Land. Vor allem dann, wenn die warme Jahreszeit anbricht und sich parallel zu den steigenden Temperaturen die Gemüter besorgter Ordnungspolitiker allzu sehr erhitzen.

Es gibt auch eine andere, angemessenere Sicht der Dinge: dass die Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz ein hohes Mass an Mitgefühl aufweist, leistungswillig ist und Verantwortung übernehmen möchte. So sehen es die Experten des Nationalen Forschungsprogramms 52 in ihrem Bericht über «Kindheit und Jugend in der Schweiz». Diese Mehrheit der «unauffälligen» Jungen schafft es selten in die Schlagzeilen von Zeitungen und Zeitschriften.

Auch die Jugendlichen nicht, die in dieser Ausgabe zu Wort kommen. Etwa Jakob Hochueli aus Gais AR: Der 14-jährige Gymnasiast widmet fast seine ganze Freizeit der Ornithologie und hilft beim Schweizer Vogelschutz mit. Oder die beiden Zürcher Schülerinnen Annalena Schatzmann und Claire Dentand, die eine Zeitschrift herausgeben und ihre Klassenkameraden über Missstände in der Tierhaltung aufklären.

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Für unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema) wollten wir wissen, wie es die junge Generation mit dem Umweltschutz hält. Da es hierzulande kaum repräsentative Untersuchungen zu diesem Thema gibt, hat Autorin Andrea Freiermuth eine Umfrage unter rund 200 Schülerinnen und Schülern aus der Deutschschweiz gemacht. Sie ist zu einem erfreulichen Resultat gekommen: Über 90 Prozent der befragten 15-Jährigen halten Umweltschutz für «wichtig» bis «sehr wichtig» – und sie möchten die Natur aktiv schützen.

Bloss: Mit der Umsetzung hapert es. Zum einen, weil es am nötigen Wissen mangelt. Hier sind die Schulen gefordert. Denn schweizweit verbindliche Richtlinien für die Umweltbildung sind, allen Absichtserklärungen zum Trotz, seit mehr als 20 Jahren überfällig. Der «Kantönligeist» lässt grüssen.

Zum anderen fehlen vielen Jugendlichen Vorbilder. Hier wäre mehr Engagement auch von Seiten der Eltern gefragt. Denn auch das zeigt unsere Umfrage: Wird der sorgsame Umgang mit der Natur im Familienalltag gelebt, verfügen die Jungen über sehr viel mehr Umweltwissen – und sie wenden dieses Know-how auch öfter an.

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«Um die Natur schützen zu wollen, muss man sie kennen», bringt es der berühmte britische Tierfilmer David Attenborough an einer anderen Stelle in diesem Heft auf den Punkt (siehe Artikel zum Thema): «Es ist schwierig, eine emotionale Bindung zu etwas aufzubauen, von dem man noch nie etwas gehört hat.»

Gibt es eine schönere Aufgabe, als in unseren Kindern die Liebe zur Natur zu wecken? Lassen Sie es uns doch einfach tun.