Eine Chilbi ist eine lustige Sache, sollte man meinen. Aber nicht für alle. Während sich in diesen Tagen Hunderttausende Besucher der Basler Herbstmesse auf dem Rummelplatz vergnügen, ist hinter den Kulissen der Teufel los: «Jeder gegen jeden» lautet das Motto der Schaustellerfirmen. Um mithalten zu können in diesem knallharten Geschäft, müssen die Bahnen immer gigantischer sein - Europapark und Disneyland lassen grüssen. Die Schausteller gönnen sich nichts, kämpfen mit allen Mitteln um die besten Plätze auf dem Millionenkarussell; Filz und Vetternwirtschaft sind die Folge. Beat Grossrieder hat Chilbiluft geschnuppert und sich in der Welt der Budenbetreiber umgesehen (siehe Artikel zum Thema «Chilbibetriebe: Die Achterbahn der Geschäfte»).

Rummelplatzstimmung herrscht derzeit auch in den Alpen. Predigten Experten jahrzehntelang das Konzept des sanften Tourismus, soll jetzt geklotzt werden. Gigantismus ist angesagt - Ferienorte wollen den Traum vom grossen Geld verwirklichen, und zwar um jeden Preis. Andermatt plant, dabei sämtliche Grenzen zu sprengen: Finanziert von einem ägyptischen Multimilliardär, soll dereinst auf einer Fläche von knapp 200 Fussballfeldern für mehrere hundert Millionen Franken ein Ferienresort der Superlative entstehen. Ein finanzieller Segen für das 1'300-Seelen-Dorf, das die Armee als Brötchengeber verloren hat. Doch die touristischen Gipfelstürmer im Urnerland verdrängen gern die Tatsache, dass jemand die Zeche bezahlen muss für den finanziellen Höhenrausch: die bisher weitgehend intakte Landschaft.

Und Andermatt ist beileibe kein Sonderfall. Wintersportorte in der ganzen Schweiz bauen auf Projekte gewaltigen Ausmasses, um ihre Gäste bei Laune zu halten. Lukas Egli und Gian Signorell berichten über den alpinen Grössenwahn (siehe Artikel zum Thema «Tourismus: Ade, du heile Heidiwelt»). Hereinspaziert, liebe Leserinnen und Leser: willkommen in der verrückten Welt der modernen Älplerchilbi!

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