1969 nahm Beznau I, das erste AKW der Schweiz, den Betrieb auf. Seit über 30 Jahren versichert uns die Energielobby nun, die Entsorgung der radioaktiven Abfälle sei «gelöst». Doch ein Schweizer Endlager ist auch 2006 weit und breit nicht in Sicht. Gegen 10'000 Mobilfunkantennen wurden hierzulande bisher gebaut. Und noch immer lässt der Bund erforschen, wie schädlich die Strahlung dieser Antennenwälder ist. Allzu Genaues weiss man dabei nicht.

Gentechnologie, Risikohaftung bei Stauseekatastrophen, Armeeorganisation: Bei den grossen Projekten wird grosszügig und in grossen zeitlichen und finanziellen Dimensionen gedacht. Die Politik lässt sich nicht von lästigen «Details» bremsen; das Volk soll darauf vertrauen, dass für die möglicherweise entstehenden Probleme dann schon eine Lösung gefunden wird.

Da die grossen Probleme so mühsam zu regeln sind, wendet sich die Schweiz mit Akribie den kleinen zu. Hier kommt unser Perfektionismus am besten zum Tragen. Und so wird verordnet, verfügt, verboten. Christoph Schilling und Thomas Angeli haben einen bunten Strauss administrativer Sumpfblüten zusammengestellt, die den Kleinfirmen das Leben schwer machen (siehe Artikel zum Thema «Wirtschaft: Leerlauf, aber mit Vollgas»).

Der Beobachter ist kein Kämpfer für ungezügelte Freiheit in der Gesellschaft. Wir brauchen einen starken Schutz der Schwächeren: Lebensmittelhygiene, Medikamentensicherheit, Unfallvorsorge oder der Kampf gegen Steuerschlupflöcher sind sinnvolle Postulate, für die wir uns immer wieder mit Nachdruck einsetzen. Gleichzeitig sind wir fest überzeugt, dass die Fantasie des Gesetzgebers nicht alle Wechselfälle des Lebens, alle Schlaumeiereien vorausahnen kann. Deshalb sollte sich die Regulierung aufs Grundsätzliche konzentrieren – und die Verstösse dagegen dann auch ernsthaft und hart bestrafen.

Auch mit noch so vielen Detailbestimmungen in Gesetzen und Verordnungen schaffen wir keine «ideale Gesellschaft». Wir provozieren höchstens neue Ungerechtigkeiten – und torpedieren die Selbstverantwortung.

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