Herz-Kreislauf-Erkrankung. Hirnschlag. Herzinfarkt. Wir leben zwar immer länger, doch zugleich wächst unsere Angst vor tödlichen Krankheiten. Das macht uns anfällig für gute und teure Ratschläge. Risikoverminderung, Früherkennung, Prävention klingt alles sehr sinnvoll. Doch oft steckt dahinter mehr Geschäftssinn als Sorge um unser Wohlergehen.

Beobachter-Redaktor Urs Zanoni ist ein ausgewiesener Gesundheitsspezialist. Er wartet mit provokativen Rechenbeispielen auf. Daraus ergeben sich nicht minder provokative Fragen: Ist vorbeugen wirklich besser als heilen? Darf die Prävention 10- oder 20-mal teurer sein als die durch die Prävention verhinderte Akutbehandlung eines Herzinfarkts? Die Mediziner tun sich schwer mit solchen Rechenübungen. Doch angesichts der explodierenden Gesundheitskosten müssen auch die Präventionskosten kritisch hinterfragt werden.

Wenn es um die Gesundheit geht, hört nicht nur bei Medizinern, sondern auch bei Patientinnen und Patienten das Rechnen rasch auf. Wer gestern noch über die hohen Krankenkassenprämien klagte, lässt sich beim kleinsten Risiko zu einer ganzen Kaskade vorbeugender Therapien verleiten. Auch hier liefert Urs Zanoni spannende Zahlen: Das Risiko, wegen Alterszucker innert zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, sinkt dank Medikamenten von 17 auf 15 Prozent! Mit einer derart bescheidenen Erfolgsquote würde wohl niemand ein Jahrzehnt lang Lotterielose kaufen. Es sei denn, die Krankenkasse bezahle sie ihm.

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Unbestritten: Es gibt nötige Vorsorgeuntersuchungen, und es ist nichts gegen einen periodischen Check-up einzuwenden. Die Schwierigkeit besteht darin, das Sinnvolle vom Machbaren zu unterscheiden. Erstaunlicherweise haben die Ärzte dabei mindestens so grosse Mühe wie die Patienten. Und deshalb werden die Präventionskosten munter weiterwachsen.

Übrigens: Eine sichere und erst noch günstige Prävention ist genügend Bewegung. Der Beobachter machts vor: Die unterste Schublade leeren, das oberste Tablar räumen Redaktion und Verlag ziehen in diesen Tagen um. Ab 1. Juli ändern deshalb alle unsere Telefon- und Faxnummern sowie die Postadresse. Wir bitten Sie um Verständnis, falls wir am neuen Ort mal etwas länger nach einem Dossier suchen oder mit den Tücken der neuen Büroeinrichtung kämpfen. Sehen Sie es positiv wie wir: Alles dient unserer Gesundheit!

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