Es war einmal ein Nachbar, der war so still, dass man Tag für Tag an seine Wohnungstüre klopfen musste, um sich zu vergewissern, dass er noch da war. Und es war einmal ein Handwerker, der hatte stets all sein Werkzeug dabei und las seinen Kunden jeden Wunsch von den Lippen ab. So könnten zwei moderne Märchen beginnen – nicht aber zwei Artikel in diesem Beobachter-Extra.

Und doch wünschen sich Lärmgeplagte manchmal eine Fee, die endlich die lärmige Nachbarin oder den Krachbruder von nebenan in einen leise quakenden Frosch verwandeln würde. Auf seiner Recherche über laute Nachbarn ist der Journalist Lukas Egli jedenfalls auf Menschen gestossen, die ihre Nachbarn ins Pfefferland wünschen. Doch ein Märchen erzählt er trotzdem nicht, denn sein Artikel (siehe Artikel zum Thema «Nachbarschaftsstreit: Wie Krach zu Krach führt») weist einen entscheidenden kleinen Unterschied auf: Wer wie im Märchen auf ein Happyend wartet, der wartet leider vergeblich.

Auch kein gutes Ende genommen haben all die Geschichten, die René Ammann zusammengetragen hat (siehe Artikel zum Thema «Bauarbeiten: Wenn das Handwerk pfuscht»). Gut gemeint hat es zwar jener Maler, der sich weigerte, ein Kinderzimmer rosa zu streichen, weil ihm die Farbe nicht gefiel. Gut gemeint hat es auch ein Installateur, der im Badezimmer einer Mietwohnung ein kaputtes Milchglas zum zweiten Mal verkehrt einbaute, nur weil er das alte auch schon falsch montiert hatte. Aber herausgekommen ist beides schlecht.

All diese Handwerker hätte eine Märchenprinzessin auf ihrem Schloss schon längst zum Teufel gejagt. Im wahren Leben aber fehlen Hexen und Feen, und so muss das Ende der Geschichte umgeschrieben werden: «Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ärgern sie die Leute noch heute.»

Quelle: Archiv