Ja, ich bin gerne ein Mann: statt neun Monaten Schwangerschaft ein lustvoller Zeugungsakt, statt Geburtsschmerzen ein frisch gewaschenes Baby im Arm, statt achtmal Stillen am Tag einmal die Woche Windeln einkaufen. Die Durchschnittsfrau leistet fast dreimal mehr Haus- und Erziehungsarbeit als ihr Durchschnittsmann. Je mehr Kinder sie zur Welt bringt, desto weniger geht ihr der Erzeuger zur Hand.

Trotzdem sorgen sich neuerdings Dutzende von (männlichen) Fachleuten darum, wie ich Beruf und Familie vereinbaren kann: hier ein Seminar zur «Work-Life-Balance», dort ein Männertreff, um mir die Nöte von der Seele zu reden. Dem Burn-out-Syndrom kann ich an einem «Wochenende der Stille» vorbeugen und meine Rollenkonflikte mit dem «Family Coach» reflektieren.

Doch die wahren Experten in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind die Frauen; schliesslich sind sie seit Jahrzehnten darin geübt. Waren 1970 erst zwei von zehn Müttern mit mindestens einem Kleinkind erwerbstätig, sind es heute sechs von zehn. Sie verfügen über Teamgeist und Flexibilität, sind kommunikativ und belastbar, handeln intuitiv und lösungsorientiert alles Fähigkeiten, die heute in keinem Stelleninserat fehlen, in dem eine (männliche) Führungsperson gesucht wird.

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Aus diesem Grund kommen die Frauen in diesem Beobachter-Special ausgiebig zu Wort. In der Hoffnung, dass auch der eine oder andere Manndarin liest und sich Gedanken darüber macht, was er von seiner Frau oder Partnerin lernen kann. Er braucht deswegen nicht gleich zu tauschen.

Ich möchte es auch nicht.