Der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär verläuft selten geradlinig: Es gibt Durststrecken, Rückschläge und auch Pleiten. Doch wer seine Lektion beherzigt und sich wieder aufrappelt, dem gehört die Sympathie des Publikums. Umgekehrt begegnet es Gläubigern mit wenig Wohlwollen – unter anderem, weil sie immer im falschen Moment ihr Geld zurückwollen. Nämlich ausgerechnet dann, wenn der verschuldete Selfmademan endlich den Silberstreif am Horizont auszumachen glaubt. Auch der Beobachter schreibt häufiger über die Nöte von Schuldnern als über den Frust der Gläubiger – zum Beispiel, wenn es um das rabiate Auftreten von Inkassobüros geht.

In diesem Heft wechseln wir die Perspektive. Schliesslich hinterlässt jede Pleite Geschädigte, und das nicht zu knapp: Letztes Jahr wurden 10500 Privat- und Firmenkonkurse eröffnet. Schaden: 4,7 Milliarden Franken. Selbst Mehrfachpleitiers werden nicht daran gehindert, mit einer neuen Firma weiterzumachen – bis zum nächsten Konkurs. So hat eine Wirtschaftsauskunftei über 3500 Unternehmer gezählt, die in den letzten zehn Jahren an mindestens drei Pleiten beteiligt waren. Nicht alle sind Pechvögel; für etliche ist der Bankrott wohl Teil des Geschäftsmodells. Fast die Hälfte der Konkurse bleibt ohne rechtliches Nachspiel: Konkursverfahren werden oft eingestellt, weil ohnehin nichts zu holen wäre. Und auf Strafanzeigen wird resigniert verzichtet, wenn die Staatsanwaltschaft überlastet und die Beweislage eher dürftig ist. Notorische Pleitiers spekulieren darauf – und darauf, dass sie neue Ahnungslose finden.

Wieso das immer wieder funktioniert, zeigen Dominique Strebel, Andrea Haefely und Thomas Angeli in der Titelgeschichte. Dass sie auch Namen nennen, passt einigen Betroffenen gar nicht. Schon bei der Recherche fehlte es nicht an Drohungen, und ein Anwalt kündigte an, dem Beobachter die Erwähnung seines Mandanten per Gericht verbieten zu lassen. Denn es gebe kein öffentliches Interesse, über ihn zu lesen. Wir sind anderer Ansicht, hinterlässt der Mann doch eine Spur von Geschädigten. Lesen Sie im Artikel «Firmenkonkurse: Die totale Pleite» (siehe unter «Artikel zum Thema»), was Ihnen einige Herren gerne vorenthalten hätten.

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