Was halten Sie von folgendem Vorschlag: Wir senken das AHV-Alter für alle auf 62 Jahre und finanzieren die ganze Übung mit einer bescheidenen Strompreiserhöhung sowie einer Steuer auf PET-Flaschen. Wir gehen also früher in Pension und schonen dabei erst noch die Umwelt.

Das attraktive Patentrezept hat einen Haken es ist meiner Fantasie entsprungen und nicht mit seriösen Zahlen und Berechnungen zu untermauern. Doch darin unterscheidet es sich kaum von anderen AHV-Szenarien, mit denen derzeit Politik gemacht wird.

Rentenalter 65, 67, 68, Flexibilisierung, Pensionierung in Etappen: Bei der AHV gehts zu wie auf der Gant. Nationalbankgold, Lohnprozente, Mehrwertsteuer, Strafsteuer für Kinderlose: Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

2003 ist Wahljahr. Die Politikerinnen und Politiker scheinen dies als direkte Aufforderung zu verstehen, Unruhe zu stiften. Noch vor kurzem kam es politischem Selbstmord gleich, wenn jemand die AHV fundamental in Frage stellte. Heute scheint die Meinung vorzuherrschen, das Volk brauche nach dem Pensionskassenschock dringend noch eine AHV-Erschütterung. Doch wozu die Panikmache? Sie kann nur dazu dienen, vom ganzen Börsen- und Pensionskassen-Schlamassel abzulenken.

Unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Arbeiten bis 67? Nein danke!») zeigt den Widersinn: Was soll ein höheres Rentenalter, wenn ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt fast chancenlos sind? Wenn sie bereits mit 60 ausgebrannt sind? Wenn sie vorzeitig über die IV pensioniert werden müssen?

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Länger arbeiten ohne Arbeit? Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Unbestritten: Die AHV hat ein Finanzierungsproblem; immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr (und immer langjährigere) Renten. Das Problem ist nicht erst seit gestern bekannt. Und es muss auch nicht heute gelöst werden.

Es bleibt genügend Zeit, eine emotionslose Diskussion zu führen. Ich wage zu behaupten, dass das Volk (wenn es erst einmal gefragt wird) das Rentenalter 65 beibehalten will selbst wenn es dafür mehr als heute bezahlen muss. Und ich wage eine zweite Prognose: Die Sozialabbauer, die sich heute forsch aufs glitschige AHV-Terrain vorwagen, werden sich erstaunt die Augen reiben, wenn sie feststellen, dass ihnen ni