Zum Glück gibts die Schule – wer sonst sollte unsere Kinder lebenstüchtig machen? Das Elternhaus jedenfalls hat sich aus dieser Aufgabe Schritt für Schritt verabschiedet. Sexualaufklärung? Dieses schwierige Thema ist von geschulten Pädagogen besser zu bewältigen. Medienkunde? Statt zu Hause dauernd über Fernsehsendungen zu streiten, kann doch die Schule zu einer sinnvollen Mediennutzung erziehen. Verkehrsunterricht? Drogenprävention? Vernünftiger Umgang mit Geld? Gewaltvorsorge? Bekämpfung des Rassismus? Kochen? Das alles «bereichert» heute den Stoffplan der Schule.

Wir nehmen nur ungern zur Kenntnis, dass immer mehr «verhaltensauffällige» Kinder in die Schule geschickt werden. Sie sollen in der grossen Gruppe das erlernen, was in der kleinen Familie nicht mehr möglich ist: konzentriertes Arbeiten, einen respektvollen Umgang mit andern. Und dies bei immer höher gesteckten Lernzielen. Denn unsere Wirtschaft erwartet nach der Schule Jugendliche mit Fremdsprachenkenntnissen, Computerfertigkeiten, breiter Allgemeinbildung. All dies soll in Schulklassen erreicht werden, in denen eine fast babylonische Sprachdurchmischung herrscht.

Zwar sind sich alle einig: Eine gute (Aus-)Bildung ist eine sinnvolle Zukunftsinvestition. Doch das schützt die Schulen kaum mehr vor finanziellen Abstrichen. Unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Volksschule: Hauptfach Sparen») zeigt, wie unkoordiniert der Rotstift dabei angesetzt wird. Das bedroht die Qualität unseres Bildungssystems sehr direkt. Beobachter-Redaktorin Andrea Haefely hat in ihrer Jugend mit 40 Mitschülern gepaukt; bei Beobachter-Redaktor Daniel Benz waren es gar 42. Die beiden Autoren unserer Titelgeschichte sind sich einig: Was früher noch anging, ist heute unmöglich. Vergrösserte Klassen machen die Schule kaputt.

Über Jahrzehnte haben Politik, Wirtschaft und Eltern immer neue Leistungen von der Schule gefordert. Doch heute will niemand die Rechnung zahlen. Diese Form der politischen Zechprellerei ist nicht strafbar. Aber sie bleibt sicher nicht ungestraft.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.