Redaktorin Andrea Haefely hatte einen undankbaren Job. Sie versuchte Prominente zu finden, die dem Beobachter für eine Homestory einen Blick in ihre gute Stube gewähren. Die meisten Promis winkten dankend ab. Manche befürchteten wohl, der kritische Beobachter werde sie nicht so zuvorkommend behandeln wie eine bunte Schweizer Illustrierte. Andere hatten schlicht keine Lust, über ihren Geschmack zu streiten.

Wer kann es den Promis verdenken? In welcher Wohnung passt schon der Teppich zum Sofa, die Lampe zur Kommode und das Bild zum Bücherregal? Die Kommode ist vielleicht ein Erbstück, das an die Grosstante erinnert. Der etwas sperrige Harass – gefüllt mit Schallplatten – mag das letzte Überbleibsel aus der Studentenzeit sein, und auf dem maschinell gewebten Teppich kam man seiner Liebe zum ersten Mal ganz nah.

Möbel erzählen etwas über das Leben – und das verläuft selten entlang geltender Designtrends. Trotzdem wird der Tag kommen, an dem Sie sich endlich von Ihrem hässlich geblümten Sofa trennen. Sie werden sich wundern, welcher Teufel Sie geritten hat, als Sie das Stück vor zehn Jahren gekauft haben. Sie werden sich ein neues Sofa, ein knallgelbes vielleicht, in die Stube stellen und ein geschätztes Jahrzehnt später erleichtert aufatmen, wenn Sie das hässliche Entlein endlich in die Brockenstube bringen können.

Bei allem Blättern durch die einschlägigen Designgazetten und bei allen guten Ratschlägen der Ausstattungsexperten: Ausgerechnet was nicht so richtig zusammenpassen will, sorgt oft erst dafür, dass es in einer Stube wirklich gemütlich wird. Ist alles nur nach ästhetischen Kriterien aufeinander abgestimmt, wirkt ein Raum kalt und leblos. Keine Angst also vor Gemütlichkeit. Stehen wir zu unserem schlechten Geschmack. Geschmacklosigkeit wäre viel schlimmer.

Quelle: Archiv