Lesen hat manchmal einen ganz konkreten Nutzen. Zum Beispiel in Form von gespartem Geld. In meinem Fall sind es exakt 70 Franken. So viel habe ich der Rega bisher als Gönnerbeitrag zukommen lassen, doch damit ist vorderhand Schluss. Von gemeinnützigen Organisationen Natürlich, wir alle wären gerne edle Menschen, die nur ans Gute glauben.

Immer und überall. Böse Ausländer? Eine Erfindung von Rechtsaussen und Rassisten. Vor allem die Linke verfällt immer wieder in dieses Schema. Nur ja nichts Negatives über unsere ausländischen Mitbewohner sagen. Alles bestens; wer das anders sieht, hat selber ein Problem.

  Also schweigen? Nein. Denn dummerweise fahren ausgerechnet die Scharfmacher von rechts die Ernte dieses Schweigens ein. Aus einfachem Grund: Es gibt tatsächlich ein Ausländerproblem. Und wir müssen darüber reden. Wer es nicht tut, arbeitet den Hetzern in die Hände.

  Beispiel Jura. Dort verbrachte ich Ferien auf dem Bauernhof und traf einen wirklich netten Bauern mit zwei grossen, freundlich wedelnden Berner Sennenhunden. Meinen Kindern sagte er: «Ihr dürft sie ruhig streicheln, die sind ganz lieb.» Waren sie auch – bis der Bauer sagte, dass die Hunde nur eine Sorte Menschen hassen: Jugoslawen. Zum Beweis rief er laut «Jugos», und die Tiere verwandelten sich in Bestien. So viel zum Thema Fremdenhass.

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  Noch nie war die Ausländerfeindlichkeit grösser als heute. Wer angesichts dieser Tatsache zur Methode der drei Äffchen greift – nichts sagen, nichts sehen, nichts hören –, der erweist dem Ziel einer offenen, aufgeschlossenen Schweiz einen Bärendienst. Deshalb thematisieren wir das weit verbreitete «Feindbild Jugo». Das wird einigen «Gutmenschen» nicht gefallen, aber es ist dringend nötig. Es gehört zur Tradition des Beobachters, den Finger auf jene Punkte zu legen, wo es wehtut. Wirklich weh. Lesen Sie unsere Titelgeschichte.

  Vielleicht kommt dadurch endlich eine längst fällige Diskussion in Gang. Darüber, wie es uns in Zukunft besser gelingen könnte, jene 330000 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien besser zu integrieren, die schon seit Jahren in der Schweiz wohnen und hier wertvolle und weitherum geschätzte Arbeit leisten. Denn vor allem die «Alteingesessenen» zahlen die Zeche für den verbreiteten «Jugo»-Hass.

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  Die abgeschmetterten Einbürgerungsgesuche – siehe Emmen – sprechen Bände. «Wenn man die Probleme nicht ernst nimmt, kommen sie eines Tages wie ein Bumerang zurück», sagt die Meiringer SP-Gemeinderätin Rosmarie Bühler. Recht hat sie. Genauso wie der CVP-Ständerat Eugen David: «Die Bereitschaft zur Integration ist auf beiden Seiten – bei Schweizern wie bei Ausländern – gesunken.»

  Sein Hauptvorschlag: Integration «fordern und fördern». Fordern heisst, die Ausländer müssen sich stärker anpassen. Und fördern heisst, dass wir diese Menschen dann auch einbürgern. Darüber müssen wir reden. Sonst bellen bald noch mehr Hunde beim Wort «Jugo».