Es gibt Klagen, die meine Kolleginnen und Kollegen im Beobachter-Beratungszentrum mit geradezu unschöner Regelmässigkeit zu hören bekommen. Zu diesen Dauerbrennern zählen die Anrufe wegen der Anordnungen der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Es ist zu befürchten, dass sich daran vorerst wenig ändern wird, soll doch die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr eher steigen. Schon jetzt sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RAV am Limit: Nachdem noch vor einigen Jahren 85 Klienten pro Berater als Mass des Machbaren galten, muss inzwischen jeder von ihnen durchschnittlich 118 Arbeitslose betreuen – obwohl wegen der zunehmenden Spezialisierung der Berufe die Vermittlung gewiss nicht leichter geworden sein dürfte. Die Häufigkeit, mit der über die RAV geklagt wird, macht deutlich: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um einen Fehler im System. Thomas Angeli und Daniel Benz gehen in unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Arbeitslose: BestRAVt statt beraten») der Misere auf den Grund.

Eigentlich ist die Idee zur Einrichtung von Arbeitsvermittlungszentren ja gut: Arbeitslose sollen nicht bloss stempeln, sondern bei ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. Dumm nur, wenn ausgerechnet die RAV-Berater jene Flexibilität vermissen lassen, die sie von ihren Klienten erwarten. Statt individueller Förderung gibts verordnete Kurse nach Schema F: So muss sich eine erfahrene Journalistin erklären lassen, wie man einen Bewerbungsbrief formuliert. Oder eine Mittfünfzigerin soll zum wiederholten Mal analysieren, warum sie keinen Job findet. Unsinn? Genau. Doch wer sich dagegen wehrt, wird mit finanziellen Einbussen sanktioniert.

Bestrafen statt beraten – so sieht für viele Arbeitslose die Arbeit der RAV aus. Im Klima des Misstrauens gegenüber Stellensuchenden wird Eigeninitiative im Keim erstickt. Es gilt Jobsuche nach Vorschrift: Wer keinen Ärger will, verschickt die geforderte Zahl von Bewerbungen – ob sinnvoll oder nicht. Das ist unproduktiv. Bei Massenentlassungen sind Politikerstimmen deutlich zu hören – doch scheint für sie der entwürdigende Umgang mit Jobsuchenden kein Thema zu sein. Arbeitslose haben eben keine Lobby.

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