Schweiz gleich Sicherheit – von diesem Klischee sollten wir uns verabschieden. Ebenso vom Glauben, dass hier penibel kontrolliert wird wie nirgends sonst. Der Bahnunfall in Oerlikon ist nur ein Beispiel von erstaunlichem Laisser-faire, ein anderes machte im Sommer Schlagzeilen: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bemerkte damals, dass der Anflug auf Lugano für einige Flugzeugtypen zu riskant war, und erliess Hals über Kopf Landeverbote – nachdem es jahrelang geschlafen hatte.

In unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Sicherheit bleibt auf der Strecke) untersucht Simon Thönen die Arbeit der Kontrolleure – mit eher beunruhigendem Befund. Wo nicht schon zu viel Nähe die Aufsicht hemmt, hält die Politik die Kontrolleure mit der Parole vom schwachen Staat kurz. Oder aber es hapert beim Vollzug: Als letztes Jahr international gegen Kinderpornokäufer ermittelt wurde, blamierte sich die Schweizer Polizei. Weil die Kantone keinen gemeinsamen Termin für die Razzien fanden, wurden etliche Verdächtige gewarnt – im Kanton St. Gallen etwa waren die Festplatten jedes zweiten Verdächtigen gelöscht.

Transparenz erleichtert Kontrolle, doch selbst Kontrolleuren passt sie nicht immer. Thomas Buomberger hat nach den Konsequenzen aus einer umstrittenen Hautkrebsstudie der Uni Zürich gefragt. Antwort: Der Untersuchungsbericht bleibt unter Verschluss, und auch das Bundesamt für Gesundheit gewichtet das «Amtsgeheimnis» höher als das öffentliche Interesse (siehe Artikel zum Thema «Der Stoff, aus dem Skandale sind»). Dabei geht es nicht um irgendwelche Hochschulinterna, sondern um eine Testreihe, an der über 100 Patienten teilnahmen.

Ebenso wenig für die Öffentlichkeit bestimmt ist derzeit die Wunschliste der Staatsschützer, über die Thomas Angeli berichtet. Ausgerechnet bei der Überwachung der Bürger will der Staat wieder Stärke demonstrieren. Unser Artikel zeigt, wo der Datenschutz ausgehebelt werden soll (siehe Artikel zum Thema «Der Staat hört mit»). Natürlich alles im Dienste der Sicherheit.

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