In den vergangenen 100 Jahren haben wir uns fast einen Fünftel des Schlafs rauben lassen: Gönnten sich die Menschen früher neuneinhalb Stunden im Schnitt, sind es heute bloss siebeneinhalb. Noch bleibt genug Reserve immerhin verschlafen wir rund einen Drittel unseres ganzen Lebens. Anderseits gehören Schlafstörungen zu den häufigsten Alltagsbeschwerden, Schlafmittel zu den meistgebrauchten Medikamenten. Mit dem Schlaf ist es wie mit dem Atem: Erst wenn er ausbleibt, erkennt man seinen wahren Wert.

Gewiss, das individuelle Schlafbedürfnis ist von Mensch zu Mensch verschieden; ob jemand Kurz- oder Langschläfer ist, bestimmen die Gene. Gleichwohl verdichten sich die Hinweise, dass wir übermüdet sind: Jeder siebte Verkehrsunfall geht auf Sekundenschlaf am Steuer zurück. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Fehlern, die durch Schlafmangel verursacht werden, gehen jedes Jahr in die Milliarden. Schlafforscher vergleichen den Effekt einer durchwachten Nacht mit einem Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille.

Napoleon irrte demnach, als er all jene Dummköpfe schimpfte, die länger schliefen als er. Der Überlieferung nach begnügte sich der französische Feldherr mit vier bis fünf Stunden Nachtruhe etwa gleich viel wie eine Kuh. Ansonsten gilt im Tierreich: Je kleiner, desto mehr Schlaf. Die Fledermaus bringt es auf 20 Stunden, der Igel auf 18, die Katze auf 15. Selbst die Taube verschläft fast den halben Tag. Ein besonderes Rätsel geben die Zugvögel auf: Sie müssen mehrere Tage lang offenes Meer überfliegen; ein Unterbruch ist nicht möglich. Ob sie völlig ohne Schlaf auskommen oder fähig sind, im Gleiten zu schlafen, ist bisher ungelöst.

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Beim Menschen steht der Rekord bei rund elf Tagen wach sein. So lange brauchen Sie nicht durchzuhalten, um in diesem Beobachter-Extra alles Wissenswerte für einen gesunden Schlaf zu erfahren.