Altes Griechenland, vor den Toren Trojas: «Ajax, ein Gott hat dir den gewaltigen Leib, die Kraft und die Speerkunde verliehen», sagte schwer atmend sein Gegner Hektor, nachdem er im Schwertkampf bös untendurch musste dabei hätte vor der Schlacht niemand auch nur eine billige Flasche Retsina auf den Griechen gewettet. So entstehen Helden und Vorbilder für uns Sterbliche.

Ajax machte neuen Heroen Platz, doch dann tauchte sein Name plötzlich wieder auf: 1906, als Schweizer Automarke, von der aber nur 60 Wagen gebaut wurden, weil die Firma bald Konkurs ging. Seither spielt er bei Ajax Amsterdam Fussball und verkauft daneben höchst erfolgreich Putzmittel unter anderem den Allzweckreiniger «Ajax Blütenfest».

Ajax als Putzmittelverkäufer? Das passt prima in unsere Zeit, denn die Stars des Jahrgangs 2001 müssen in erster Linie proper und sauber sein. So wie der abgelöste «Mister Schweiz» Claudio Minder, der versprach, er werde «in Sachen Waschen, Putzen und Ordnung» jetzt nicht mehr seine Mutter anrufen, sondern alles «selber erledigen». Ein echter Held.

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Wenn Ajax uns also heute besuchen käme, dann müsste er zuallererst einmal seine staubigen Sandalen vor der Haustür ausziehen: Gemäss einer Umfrage dulden 75 Prozent aller Schweizer in ihrer Wohnung keine Menschen in Strassenschuhen. Und dann soll der Kerl gefälligst die Rüstung ablegen, denn die versaut den frisch versiegelten Parkettboden.

Die wahren Kriege finden nicht mehr im Freien statt, sondern in den Schweizer Wohnungen. Blitzen und blinken muss es, selbst wenn die dabei verwendeten Mittel selbst hart gesottenen Kantonschemikern den Angstschweiss auf die Stirn treiben. Der Kampf wird mit erbitterter Härte geführt gerade weil wir im Innersten wissen, dass die Schlacht vergebens ist. Irgendwann werden wir alle zu Staub. Diese Erkenntnis wischt kein noch so ausgeklügeltes Mikrofaser-Supertuch vom Tisch.

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Wohl gerade deshalb hören wir lieber auf unseren Putzhelden Ajax, der uns verspricht: «Gewinnen Sie den ewigen Kampf gegen den Staub!» Also auf in die Schlacht auch wenn sie uns mehr schadet als nützt! Waschen Sie bitte die Hände und lesen Sie dann unsere Titelgeschichte.