Schön, dass Sie das Editorial doch noch gefunden haben. Denn dieses Heft beginnt nicht wie gewohnt. Schuld daran ist Philippe Ruedin, der Leiter des Beobachter-Beratungszentrums. Vor einiger Zeit heckte er ganz neue Pläne aus – und jetzt bereitet er sich offenbar auch noch auf die Pilotenprüfung vor. Auf seinem Bürotisch liegt neuerdings eine Sprechgarnitur, wie sie sonst die Flugkapitäne tragen. Also denn: Fasten your seat belts! Unser neues Beratungszentrum ist startklar.

Nicht weniger als 24 Beraterinnen und Berater setzen ab heute ihre Sprechgarnituren auf und stehen Ihnen neu per Telefon mit Rat und Tat zur Seite. Das ist einen speziellen Heftanfang wert. Bitte zurückblättern und nachlesen, was der Beobachter seinen Abonnentinnen und Abonnenten künftig bietet.

Sie lesen trotzdem diesen Text fertig? Gratuliere! Sie setzen Prioritäten und sind flexibel – also garantiert unter 50. Denn Leute über 50 sind stur, leistungsschwach, langsam und nicht lernfähig. Das zumindest trichterte uns bis vor kurzem die Wirtschaft ein. Na denn: liebe Grüsse an Swatch-Boss Nicolas Hayek, 72, Banker Martin Ebner, 53, Nestle-Chef Helmut O. Maucher, 73, und UBS-Präsident Alex Krauer, 69. Alles erfolgreiche Leute über 50 – und die Liste liesse sich beliebig verlängern.

Doch nach wie vor halten sich die Vorurteile gegenüber den «unflexiblen Alten» hartnäckig. Ein Blick in den Stellenanzeiger genügt. Die gesuchten «Persönlichkeiten» und «emotional überzeugenden Führungskräfte» müssen fast immer zwischen 30 und 45 sein.

Darüber können auch die von Esther Haas, 46, und Martin Müller, 30, porträtierten Personen ein Liedchen singen. Sie alle sind über 50. Dennoch fanden sie eine neue Stelle, und das stimmt mich optimistisch. Lesen Sie unsere Titelgeschichte.

Anzeige

Langsam, langsam scheint sich bei den Unternehmen die Einsicht durchzusetzen, dass Wissen einen Wert hat. Und zwar mehr Wert als bisher angenommen. Neue Studien zeigen, dass der Beitrag älterer Kader zum Unternehmenserfolg grösser ist als jener der jüngeren. Und ausgerechnet diese Leute wurden von smarten Firmensanierern in den letzten Jahren zu Tausenden ausgemustert.

Professor Fredmund Malik, Leiter des St. Galler Management-Zentrums, hat dazu eine klare Meinung: Ökonomisch betrachtet sei mit «teilweise grenzenloser Stupidität vorgegangen» worden, denn «Know-how und Erfahrung der Fünfziger sind wichtiger, als junge Kostensenkungs-Consultants sich vorzustellen vermögen». Maliks Wort in jedes Personalchefs Ohr.