«Schon in 25 Jahren wird es Internet-Implantate geben, die das Hirn direkt mit den unzähligen Datenquellen verbinden», sagte Zukunftsforscher Bran Ferren dem «New York Times Magazine». «Stellen Sie sich vor, dass Sie jede Sprache verstehen können, alle News unmittelbar erfahren und immer über Ihren Kontostand informiert sind. Gleichzeitig haben Sie Zugang zu jedem Buch, das je veröffentlicht wurde.»

Willkommen in der Zukunft! Wenn es nach den Vorstellungen jener Jugendlichen geht, die für den Beobachter eine Vision des Jahres 2020 entwickelt haben, dann wird das 21. Jahrhundert recht angenehm. Statt 40 Stunden arbeiten wir weniger als die Hälfte. Noch besser: Wer sich länger abrackert, wird bestraft. Unsere Chefs messen künftig nicht mehr die Leistung, sondern den Spass an der Arbeit. Und die «Anti-Chaos-Maschine» räumt jeden Abend das Pult für uns auf.

Alles nur Spinnereien? Ich bin da ein gebranntes Kind. Anfang der achtziger Jahre besuchte ich an der Universität einen Kurs in «Computer-Linguistik»; das war damals so ziemlich das Modernste, was man machen konnte. Ehrfürchtig standen wir im Rechenzentrum und fütterten den «Supercomputer» mit selbst gestanzten Lochkarten.

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Damals sah ich die Zukunft – und war felsenfest überzeugt, dass sie mich nichts anging. Wenn mir in jenem Rechenzentrum einer gesagt hätte, dass ich in 20 Jahren meine Texte auf einem Heim-PC schreiben und damit auch noch per Internet weltweit nach Informationen suchen könne, hätte ich diesen Propheten für einen mittelschweren Psychiatriefall gehalten. Mindestens.

Und jetzt wirft also der Beobachter erneut einen Blick in die Zukunft. Das in der Titelgeschichte 26/99 entwickelte Szenario fürs Jahr 2020 ist vermutlich realistischer, als wir heute denken. So haben sich die Jugendlichen etwa den neuen Beruf des «Defusionierers» ausgedacht – gut möglich, dass der heutige Trend zu Megakonzernen in 20 Jahren bereits wieder vorbei ist.

Ich werde dann über 60 Jahre alt sein – und mit mir ein Drittel der Bevölkerung Europas. Das ist auch den Zukunftsforschern nicht entgangen. Der Deutsche Matthias Horx beispielsweise prophezeit den «neuen Alten» – und damit der Wirtschaft – Süsses: «Sie sind erstklassige Konsumenten hochpreisiger Güter.

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Sie fahren Cabrios und tragen Ray-Ban-Sonnenbrillen, sie sind (überwiegend) fit und sportlich und reiselustig wie die Jüngeren.» Na prima. Und ganz nebenbei werden die Menschen «pro Jahr im Durchschnitt um ungefähr einen Intelligenzpunkt klüger» – sagt Horx.

Mir solls recht sein, denn die Ray-Ban-Sonnenbrille hab ich schon – und das mit dem Cabrio und der Intelligenz kann ja noch werden. In diesem Sinn: auf ein gutes Jahr 2000.