Beobachter: Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat eine Broschüre zum Einkaufen im Ausland publiziert. Sie fordern nun die Streichung der Subventionen für die SKS. Haben Sie überreagiert?
Hans-Ulrich Bigler: Die SKS ruft auf zum grenzenlosen Einkauf, so der Titel der Broschüre. Die Publikation erfolgte zeitgleich mit unserer Kampagne «Ja zur Schweiz – Hier kaufe ich ein». Für uns eine Provokation. Zudem fragen wir uns, ob eine subventionierte Institution Politik machen darf und wer die demokratisch legitimierte Aufsicht und Kontrolle sicherstellt.

Beobachter
: Die Broschüre informiert neutral über die Hürden, die sich dem Konsumenten bei solchen Einkäufen stellen. Sie kann also auch davon abhalten, im Ausland einzukaufen.
Bigler: Die darin enthaltenen Informationen finden sich heute schon kostenlos auf verschiedenen Internetseiten des Bundes. Dass die SKS daraus nun ein Geschäft macht, ist doch erstaunlich.

Beobachter: Haben Sie die Broschüre gelesen?
Bigler
: Der Gewerbeverband hat nicht den Inhalt kritisiert. Uns treibt die Sorge, dass durch den Abfluss von Wertschöpfung ins Ausland Arbeitsplätze und Lehrstellen bedroht sind.

Beobachter: Ihr Verband ruft seine Mitglieder selber dazu auf, Währungsvorteile zu nutzen und im Ausland einzukaufen. Wettbewerb scheint für SGV-Mitglieder okay zu sein, aber die Konsumenten sollen bluten.
Bigler: Das zweijährige Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Wir wollten damals bei einem Euro-Kurs von über Fr. 1.40 sagen, wie unsere Mitglieder ihre Kosten senken können – in der Sorge, dass trotz Wertschöpfung in der Schweiz eine Explosion der Kosten Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet.

Beobachter: Warum fordern Sie Ihre Mitglieder nicht dazu auf, Währungsgewinne konsequent weiterzugeben? Die Konsumenten würden wieder hier einkaufen – der Verlust für Ihre Mitglieder wäre geringer.
Bigler: Wir kämpfen für den gewerblichen Detailhandel – mehrheitlich KMU, die im Gegensatz zu den Grossen wie Migros, Coop oder Lidl bei uns Mitglied sind. Uns fehlt die Marktmacht, um die Preise zu beeinflussen. Wir setzen auf die Gestaltung politischer Rahmenbedingungen und Massnahmen wie die Förderung von Parallelimporten.

Beobachter: Die Weko soll Preisdifferenzen bei importierten Produkten prüfen: Diese Motion von Prisca Birrer-Haimo (SP) lehnten Sie ab.
Bigler: Sie geht von falschen Voraussetzungen aus. Der Staat kann nicht den Wettbewerb regulieren, indem er Höchstpreise festlegt und mehr Bürokratie auslöst.