Die Liberalisierungspille kann für die Konsumenten Nebenwirkungen haben. Das zeigt ein Blick nach Deutschland, wo die Haushalte ihren Stromanbieter seit 1998 frei wählen können. Zwar sind die Strompreise für Haushalte anfänglich um rund zehn Prozent gesunken, sie steigen jetzt aber wieder an. Mittlerweile haben zahlreiche Fusionen die Auswahl stark reduziert. Ausserdem gehören die neuen Stromkolosse E.on und RWE nicht zu den günstigsten Anbietern.

Eine Familie, die von einem teuren zu einem preiswerten Versorger wechselt, kann pro Jahr immerhin rund 200 Franken sparen. Bisher machen jedoch nur rund drei Prozent der Deutschen von der Wechselmöglichkeit Gebrauch. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn laut Stiftung Warentest hatte jeder Zweite, der zu wechseln versuchte, mit haarsträubenden Problemen zu kämpfen:

  • Unseriöse Anbieter kassierten von Wechselwilligen auf Nimmerwieder-sehen Bearbeitungsgebühren.

  • Der alte Anbieter verzögerte den Wechsel oder drohte dem Kunden gar mit dem Abstellen des Stroms.

  • Der neue Anbieter reagierte nach Vertragsabschluss sehr lang nicht oder überhaupt nicht.

  • Nach dem Wechsel schickten sowohl der alte wie der neue Stromversorger Rechnungen oder die Rechnungen waren falsch.
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    Ein Preisvergleich zwischen den Anbietern ist zudem schier unmöglich: Es gibt die unterschiedlichsten Tarifmodelle mit und ohne Grundgebühr plus verbrauchsabhängige Preise pro Kilowattstunde. Die Verwirrung komplett macht oft das Kleingedruckte in den Versorgungsverträgen: Die deutsche Stiftung Warentest redet von «bedenklichen Klauseln zuhauf».