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AlternativenergieBlendende Aussichten

Neuer Schub: Wer eine private Solaranlage installiert, darf mit einem Zuschuss von Swissgrid rechnen. Bild: Christian Beutler/Keystone

Mit der neuen Energieverordnung lohnt sich die Investition in eine private Solaranlage.

von Oliver Ristau

Trotz ihrem schier unerschöpflichen ­Energieangebot ist die Sonne für die Schweiz bisher keine relevante Stromquelle. Nach Auskunft des Bundesamts für Energie (BFE) trug die Solarkraft 2012 nur ein halbes Prozent zur gesamten Stromproduktion bei. Bei aller Sympathie, die die Technologie geniesst, war sie bisher schlicht zu teuer und ihre finanzielle Förderung bescheiden. Derzeit warten laut BFE noch 20'000 Antragsteller auf die Zu­sage des Stromnetzbetreibers Swissgrid für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), mit der sich eine Solarstromanlage in der Schweiz einigermassen rechnet.

Ökologischer Mehrwert wird vergütet

Doch jetzt hat das Warten für Hausbesitzer ein Ende. Denn seit dem 1. April gewährt die Schweiz Bürgern und Unternehmen erstmals die Freiheit, Strom zu erzeugen und selbst zu verbrauchen. «Vorher hing das vom Gutdünken jeder Gemeinde und ihres Elektrizitätswerks ab», sagt Stefan Roth, technischer Leiter der Winterthurer Solarinstallationsfirma Solarville. Das ist nun anders. Mit der in Kraft getretenen ­Revision der Energieverordnung erhalten «alle Stromproduzenten, unabhängig von der Grösse oder Produktionstechnologie ihrer Anlage, das explizite Recht, die selbstproduzierte Energie am Ort der Produktion ganz oder teilweise selbst zu verbrauchen», schreibt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.

Der Abschied vom Versorgermonopol geht mit einer weiteren Neuerung einher. Statt einer Einspeisevergütung bekommen Käufer von privaten Solaranlagen von Swissgrid einen Zuschuss von rund 30 Prozent des Kaufpreises – vorausgesetzt, das Kraftwerk leistet mindestens zwei und nicht mehr als 30 Kilowatt. Solaranlagen für das eigene Heim sind üblicherweise zwischen zwei und zehn Kilowatt stark. Die Energie, die die Erzeuger nicht selbst verbrauchen, kaufen ihnen die örtlichen Stromnetzbetreiber zudem für mindestens fünf bis neun Rappen pro Kilowattstunde ab. Diese Mindestpreise schreibt die Verordnung vor.

Und auch den «ökologischen Mehrwert» dürfen die Solarstromerzeuger mit dem Segen des Gesetzgebers zu Geld ­machen. Netzbetreiber und spezialisierte Händler kaufen «das Grüne des Stroms» extra ein. Denn weil die Produktion aus ­regenerativen Quellen der Umwelt nützt, wird dieser Vorteil über sogenannte Herkunftsnachweise abgegolten. Diese haben derzeit einen Wert von zwei bis fünf Rappen je Kilowattstunde und können europaweit gehandelt werden.

Bis zu 50 Prozent Eigenproduktion

«Der Eigenverbrauch und die Drittelför­derung werden der Solarenergie in der Schweiz einen Schub geben», sagt Amadeus Wittwer, Präsident der Energie-Genossenschaft Schweiz, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 gegründet wurde, um die Produktion sauberer Energien zu fördern. «Im Durchschnitt kann ein Privathaushalt rund 30 Prozent des Strombedarfs mit seinem eigenen Solarkraftwerk decken. Wer den Verbrauch bewusst in die Zeiten des höchsten Solarstromangebots legt – also etwa zur Mittagszeit die Waschmaschine anwirft –, schafft 50 Prozent.»

Die Genossenschaft bietet im Internet ein Instrument zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Sonnenkraftwerken an. Eine einfache Rechnung gibt es nicht, da Grösse, Neigung und Ausrichtung des Dachs ebenso eine Rolle spielen wie das Verbrauchsverhalten des Besitzers. Aber innerhalb von 15 bis 20 Jahren sollte sich das eigene Solarkraftwerk bezahlt machen, insbesondere wenn die Strompreise wie erwartet weiter steigen. Das gilt unter ökonomischen Gesichtspunkten. Natur und Umwelt profitieren schon viel früher.

Veröffentlicht am 2014 M04 07