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DeklarationspflichtSchluss mit den finsteren Zeiten

Mit dem erweiterten Glühbirnenverbot gilt eine Deklarationspflicht. Dank dieser Kennzeichnung kann der Kunde die Produkte einfacher auswählen.

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Vorbei die Zeit, als man im Laden praktisch blind zu der Lampe greifen konnte, die man seit Jahren kauft. Seit dem Verbot diverser Glühlampen steht eine Vielzahl neuer Modelle im Gestell. Um den Konsumenten Hilfe bei der Auswahl zu geben, wurde eine neue Deklarationspflicht eingeführt. Eine Reihe von Angaben muss seit dem 1. September 2010 auf allen Lampenverpackungen zu finden sein.

Energiesparlampen, Eco-Halogenlampen oder LED-Lampen – egal, welche Alternative zu den Glühbirnen man sucht, alle sind nun gleich deklariert. Es gibt zwar keine exakte Vorgabe zu Art und Grösse der Angaben. Welche Infos auf die Packungen gehören, ist aber vorgeschrieben. Die Piktogramme der Hersteller unterscheiden sich denn auch nur minimal. Das erleichtert die Übersicht.

Bekanntestes Element der neuen Deklaration ist die Angabe der Verbrauchsklasse, wie sie schon von den Energieetiketten für grössere Haushaltsgeräte oder Autos bekannt ist. Sie teilt die Glühlampen in sieben Kategorien von A bis G ein. Daneben findet sich aber eine Vielzahl oft noch unbekannter Merkmale. Am auffälligsten ist die Anpassung bei der Angabe zur Wattzahl, mit der man bisher die Leistung von Lampen gut vergleichen konnte. Diese hatte schon immer wenig Aussagekraft, da sie nur etwas über den Energieverbrauch aussagt, nicht aber darüber, wie viel Licht eine Lampe erzeugt. Für einen aussagekräftigen Vergleich der neuen Lampenformen ist jedoch genau dies von grosser Bedeutung, da die verschiedenen Modelle nicht gleich effizient sind und unterschiedlich viel Licht aus der aufgenommenen Energie erzeugen. Darum ist es nun vorgeschrieben, die Angabe der Lumen (abgekürzt mit lm) im Verhältnis grösser darzustellen als die Wattangabe. «Die Zahl der Lumen sagt aus, wie viel Licht eine Lampe abgibt, und stellt damit einen hilfreichen Vergleichswert dar», sagt Felix Meier vom WWF Schweiz. «Dazu muss nur das Verhältnis Lumen zu Watt ausgerechnet werden. Je höher die Lichtausbeute pro Watt, desto effizienter ist die Lampe.»

Ein Rechenbeispiel: Eine herkömmliche 60-Watt-Glühlampe hat eine Lichtleistung von ungefähr 730 lm. Teilt man diesen Wert durch die elektrische Leistung von 60 Watt, ergibt dies rund zwölf Lumen pro Watt (lm/W). Eine gleich helle Energiesparlampe bringt es mit 60 lm/W auf die fünffache Ausbeute. Häufig ebenfalls auf der Verpackung angegeben wird die Umrechnung von Lumen in die bekannte Wattzahl einer vergleichbar hellen Glühlampe. So weiss der Konsument auf einen Blick, welches Produkt als Alternative für seine alte Glühbirne in Frage kommt.

Die Lebensdauer einer Lampe muss neu ebenfalls auf der Verpackung deklariert sein. Gute Energiesparlampen bringen es auf eine Lebensdauer von rund 12'000 bis 15'000 Stunden – das entspricht bei einer Nutzungsdauer von 1000 Stunden jährlich einer Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren. Diese Lampen können zudem 200- bis 300-mal pro Tag ein- und ausgeschaltet werden, ohne Schaden zu nehmen. Die günstigeren Lampen mit einer Lebensdauer von 6000 bis 8000 Stunden erleiden bei häufigem Ein- und Ausschalten leicht einen Defekt. Ebenfalls etwas wenigergut schneiden hier die Eco-Halogenlampen ab, bei denen man sich bereits mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 2000 bis 3000 Stunden zufriedengeben muss.

Trotz allem: Die Lebenszeiten aller neuen Lampen sind im Vergleich mit Glühlampen viel höher. Denn diese bringen es im Durchschnitt nur auf rund 1000 Stunden. Die absoluten Spitzenreiter sind LED-Lampen (siehe Artikel zum Thema «LED-Beleuchtung: Selbst der Einrichtung wird ein Licht aufgehen»): Mit 25'000 bis 100'000 Stunden Lebensdauer rechtfertigen sie einen grossen Teil des höheren Anschaffungspreises. Wem die Anzahl Betriebsstunden zu wenig anschaulich ist, der findet noch eine Alternative auf den Verpackungen: Die «mittlere Zahl der Schaltzyklen bis zum Ausfall» gibt an, wie häufig eine Lampe durchschnittlich ein- und ausgeschaltet werden kann, bis sie defekt ist.

Die Farbtemperatur ist ein weiterer wichtiger Wert, der nun auf allen Verpackungen zu finden ist. Dieser muss in der Masseinheit Kelvin (K) ausgewiesen werden, zum Beispiel 2700 K. Die meisten Hersteller geben die Farbe weiterhin auch in Worten an (etwa «warm white» für Warmweiss). Zudem lässt sich die Farbtemperatur auch aus dem Farbcode ablesen: Die ersten beiden Ziffern der Kelvin-Angabe sind die letzten zwei Ziffern des Farbcodes. Ein Beispiel: Der Farbcode 827 sagt aus, dass die betreffende Lampe eine Farbtemperatur von 2700 Kelvin aufweist. Die erste Ziffer des Farbcodes – in unserem Beispiel also die 8 – gibt den Grad der Farbwiedergabe an (siehe Artikel zum Thema «Lichtfarben: Selbst der Einrichtung wird ein Licht aufgehen»). Beim Kauf von Energiesparlampen sollte man auf diese Angabe unbedingt achten, denn nicht alle Farben eignen sich für den Haushalt. Am besten geeignet sind 2700 K (zum Beispiel Code 827), was Warmweiss bedeutet, und 2500 K (zum Beispiel Code 825) für sehr warmes Licht. Andere Lichtfarben wirken eher kalt.

Immer wieder kritisiert wurde bei Stromsparlampen die lange Anlaufzeit. Wie lange man effektiv auf das Licht warten muss, ist nun ebenfalls deklariert. Angegeben wird die Zeit, die die Lampe braucht, um 60 Prozent der vollen Lichtleistung zu erreichen. In der Regel sind das 30 bis maximal 120 Sekunden, wobei für die meisten Lampen eher die kürzere Zeit gilt. Ausserdem gibt es auch Energiesparlampen mit Schnellstartfunktion. Im Gegensatz zu den Sparlampen wird bei LED-Lampen oder Eco-Halogenlampen keine solche Startzeit angegeben, da sie sofort die maximale Leistung abgeben.

Ebenfalls ein Thema ist der Quecksilbergehalt bei Sparlampen. Er kommt vor allem bei der Entsorgung zum Tragen. Sie müssen als Sondermüll entsorgt werden (siehe nachfolgende Box «Sparlampen sind Sonderabfall»). Sparlampen ohne Quecksilber sind noch nicht erhältlich, allerdings konnte der Anteil des giftigen Metalls minimiert werden. Der Gehalt an Quecksilber muss neu ebenfalls deklariert werden.

Keine Lampe bringt etwas, wenn sie nicht zur Leuchte passt: Alle Verpackungen müssen neu die Länge und den Durchmesser der Lampen in Millimetern aufweisen. Ebenfalls beschrieben werden der Sockel oder das Schraubgewinde – am weitesten verbreitet sind nach wie vor E14 und E27 – sowie die Dimmfähigkeit. Vor allem Energiesparlampen eignen sich oft nicht zum Dimmen.

Das Glühlampenverbot bringt also einige Veränderungen. Dank den neuen Deklarationsvorschriften wird man sich aber schnell zurechtfinden und kommt in den Genuss einer auf individuelle Bedürfnisse angepassten Beleuchtung. Denn anders als früher muss man sich nicht mehr nur nach der Wattangabe richten, sondern kann seine Lampe nach Form, Grösse, Lichteigenschaft, Startgeschwindigkeit, Schaltfestigkeit, Lebensdauer und Preis auswählen.

Sonderabfall: Zurück in den Laden

  • Sparlampen enthalten geringe Mengen Quecksilber, das als Sonderabfall entsorgt werden muss. Damit unterliegen die Lampen der Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte und müssen zur Entsorgung zu einer Sammelstelle oder ins Verkaufsgeschäft gebracht werden. Dafür bezahlt man beim Kauf eine vorgezogene Recyclinggebühr.

    Der Quecksilbergehalt birgt für den Haushalt aber keine grosse Gefahr: Er ist sehr gering, und das Quecksilber kann nur entweichen, wenn die Lampe zerbricht. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Scherben nicht mit dem Staubsauger zu entfernen, da das Quecksilber so bei jedem Saugen in der Luft verteilt würde.

  • LED-Lampen gelten ebenfalls als Sonderabfall. Der Grund ist aber ihre Elektronik – sie enthalten nur minimalste Mengen giftiger Substanzen.

  • Halogenlampen können im Gegensatz dazu weiterhin ganz einfach über den Haushaltsabfall entsorgt werden (nicht im Glascontainer!). Sie enthalten zwar geringe Mengen an Halogen-Wasserstoff-Verbindungen – die sind jedoch so gering, dass sie keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Im Zweifelsfall bringen Sie die Lampe zu einer Verkaufsstelle zurück.

Spartipp

Für eine gemütliche Atmosphäre wählen Sie am besten eine Energiesparlampe der Klasse A mit mindestens 12'000 Betriebsstunden und der Bezeichnung «warmweiss» (Code 827). Produktinfos auf www.topten.ch

Veröffentlicht am 08. September 2010