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EnergieStromzähler bleiben noch lange dumm

Statt intelligente Stromzähler zu fördern, finanziert der Bund eine 246'000 Franken teure ­Studie. Resultat: wenig Neues.

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Der herkömmliche Stromzähler ist dumm: Er dient dem Elektrizitätswerk nur für die Jahresabrechnung. Beim intelligenten Stromzähler hingegen wird der Stromverbrauch den Konsumenten in Echtzeit und sehr detailliert dargestellt – so kann man Stromfressern im eigenen Haus auf die Schliche kommen. Zugleich wissen die Elektrizitätswerke, wer wann wo wie viel Strom bezieht, Angebot und Nachfrage können einander angepasst werden.

Die neuste Studie des Bundesamts für Energie zu intelligenten Zählern ist 363 Seiten dick – lässt sich aber sehr kurz zusammenfassen: Es würde sich lohnen, solche Smart Meters flächendeckend einzuführen. Rund eine Milliarde Franken müsste investiert werden, der volkswirtschaftliche Nutzen – dank Stromeinsparungen – würde aber langfristig bis zu 2,5 Milliarden betragen.

Nur: Das wusste man bereits aus früheren Studien, Fachpublikationen und Expertisen. «Das ist alles längst bekannt», sagten mehrere Teilnehmer am Branchentreffen «Powertage» in Zürich. Eigentlich hatte sich die Branche vom Bund endlich klare Signale erhofft, wie die Smart-Meter-Technologie in der Schweiz konkret eingeführt werden soll. Doch dazu gab es nur schwammige Informationen.

Das Stromnetz droht instabil zu werden

Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, kündigte verklausuliert an, nächstes Jahr werde eine Revision des Strommarktgesetzes gestartet.

Weil damit der langwierige politische Prozess erst am Anfang steht, wird auch der Strommarkt bis auf weiteres noch nicht liberalisiert. Damit können private Haushalte – anders als Grosskunden – ihren Stromlieferanten auch in naher Zukunft nicht selber wählen. Was heisst: Die Einführung intelligenter Zähler und intelligenter Stromnetze wird weiter hinaus­geschoben, obwohl es sie braucht. Ohne solche technologisch raffinierte Möglichkeiten werden Elektrizitätswerke in Zukunft nur schwer ein stabiles Stromnetz betreiben können. Denn das System wird mit jeder neuen Solar- und Windanlage, die Strom ins Netz speist, komplexer.

Es gäbe sogar eine billigere Lösung

Die notwendige Technologie dazu gibt es längst, in verschiedenen Ländern wird sie schon heute eingesetzt. Nicht so in der Schweiz. Den Grund für die verzögerte Einführung sieht Beat Steiner, Smart-Grid-­Spezialist an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg, in «zu vielen regulatorischen, finanziellen und technischen Rahmenbedingungen». Steiner glaubt nicht mehr daran, dass bis in acht Jahren 80 Prozent der Strombezüger mit intelligenten Zählern ausgerüstet sind, wie das die EU fordert. 

Hinzu kommt, dass Stromversorger heute wenig Interesse haben, in neue Zähler zu investieren. Denn den Nutzen haben in erster Linie die Kunden. Konsequenterweise müssten die Versorger dann auch neue Tarif­modelle anbieten, um Sparanreize zu setzen. Modelle mit teurem Strom in Spitzenzeiten gibt es in Deutschland längst.

Statt wenig aufschlussreiche Studien zu finanzieren, könnte der Bund auch ­innovative Ansätze fördern. Etwa die Software der Laufenburger Firma Senergy, mit der sich der aktuelle Stromverbrauch bereits mit heutigen Zählern darstellen und lenken lässt – erst noch zu einem Bruchteil der Kosten. In Versuchsanlagen funktioniert das einwandfrei: Die Daten werden über die Infrarot-Schnittstelle des bestehenden Zählers an das Handy oder den Computer des Kunden (und des Energieversorgers) übermittelt.

Veröffentlicht am 19. Juni 2012