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LED-LampenBern lässt Geld verglühen

Bern lässt Geld verglühen
Stromfressende Birnen sollen durch Energiesparende LED-Lampen ersetzt werden. Bild: Thinkstock Kollektion

Das Bundesamt für Energie «verbilligt» LED-Lampen, indem es Hunderttausende Franken einschiesst. Resultat: Am Ende sind die Lampen teurer als vergleichbare Modelle im Supermarkt.

von Thomas Angeli

Das Zauberwort heisst Energie­effizienz: Mit möglichst wenig Strom soll ein möglichst gros­ser Effekt erzielt werden – so will es das Bundesamt für Energie (BFE). Deshalb fördert es mit viel Geld stromsparende LED-Lampen, um deren Verkauf anzukurbeln. Der Haken dabei: Die vom BFE «verbilligten» Lampen sind teils massiv teurer als vergleichbare Modelle im Supermarkt. Einer der geförderten Leuchtkörper kostet Fr. 22.90; anderswo sind LED-Lampen für ­unter 15 Franken zu haben.

Wie kommt es, dass ein staatlich «verbilligter» Artikel teurer ist als ähnliche ­Artikel beim Baumarkt? Das Zauberwort heisst Bürokratie.

Das BFE unterstützt seit 2010 mit dem Förderinstrument ProKilowatt Projekte und Programme zur Energieeinsparung. Die «Projekte» richten sich an Firmen, mit den «Programmen» will man in erster Linie Private ansprechen. Dabei gelten zum Teil völlig unterschiedliche Vorgaben: Was in einem «Projekt» als förderungswürdig gilt, ist im Rahmen eines «Programms» unter Umständen nicht erlaubt.

So dürfen etwa in einem «Projekt» für LED-Lampen keine Fördergelder fliessen: «Nicht zugelassen ist der reine Leuchtmittelersatz (zum Beispiel: Sparlampe heraus- und LED-Lampe hineinschrauben)», heisst es in Unterlagen für Anbieter von Förderprojekten. Im Rahmen eines «Programms» dagegen ist exakt das möglich.

Zehntausende Franken für «Management»

Das machte sich der Verein Energie Zukunft Schweiz zunutze, als er Ende 2012 beim BFE das Programm Evuled vorschlug. Mit einer Verbilligung von LED-Lampen sollte das Image der zwar hoch­ef­fizienten, aber als teuer geltenden Leuchtkörper der neusten Generation korrigiert werden. 44'000 Stück sollten dank Evuled in ­Schweizer Haushalten leuchten. Kosten: 466'000 Franken, davon 70'000 Franken für «Management- und Kommunikationskosten» von Energie Zukunft Schweiz.

Seit November 2013 sind die Lampen nun in den Webshops verschiedener Elek­trizitätswerke erhältlich. Doch wie oben beschrieben im Vergleich bis zu 35 Prozent teurer – die Aktion ist trotz Bundessubventionen nicht unbedingt geeignet, das Image der teuren LED-Lampen zu korrigieren.

Der Vergleich hinke, verteidigt sich Michael Arnold von Energie Zukunft Schweiz. Bei der Wahl der angebotenen Lampen hätten primär qualitative Aspekte den Ausschlag gegeben: «Unter anderem entschieden wir uns wegen der sehr guten Farbwiedergabe und der hohen Lebensdauer für diese Lampen. Es wurden qualitativ sehr hochwertige Produkte evaluiert – auch vor dem Hintergrund, dass auf dem Markt viele Billigprodukte mit bedenklicher Qualität verkehren.» Für den Zürcher Lichtexperten Stefan Gasser sind das aber keine Verkaufsargumente für eine solche Aktion: «Ein Laie bemerkt diese Unterschiede kaum.»

Weniger energiesparend als erhofft

Hinzu kommt: Die Aktionslampen sind auch nicht so energieeffizient, wie es das BFE eigentlich fordert. Gemäss ProKilo­watt-Ausschreibung sollen ausschliesslich sogenannte BAT-Geräte gefördert werden, ausgerüstet mit der «best available technology», der besten verfügbaren Technologie, und damit besonders effizient.

Davon sind die angebotenen Lampen – eine von Samsung, zwei von der österreichischen Firma Ledon – jedoch um einiges entfernt. Im Energieeffizienz-Vergleichs­portal Topten.ch dümpeln die dimmbaren Versionen der Ledon-Lampen beim Stromverbrauch auf den hinteren Rängen, und auch ihre Lichtausbeute liegt deutlich unter derjenigen von Konkurrenzprodukten. Die nicht dimmbaren Ledon-Lampen, die in der Aktion angeboten werden, sowie die Samsung-Lampe sucht man bei Topten.ch vergebens. Die technische Entwicklung sei extrem schnell verlaufen, sagt dazu Experte Stefan Gasser: «Das Hauptproblem ist der lange Evaluationsprozess beim BFE. Mittlerweile gibt es deutlich effizientere Modelle.»

Beim BFE, das das Programm mit den drei LED-Lampen abgesegnet hat, ist man dennoch von deren Qualität überzeugt: «Die angebotenen Lampen sind gut ge­eignet, den Einsatz von LED-Lampen in Haushalten weiter zu verbreiten», erklärt Sprecherin Marianne Zünd.

Die Konsumentinnen und Konsumenten sehen das offenbar anders. Obschon grosse Energieversorger das Programm in ihren Kundenmagazinen propagieren, ist es kein leuchtendes Beispiel für effizienten Einsatz von Fördergeldern: Bisher wurde erst rund die Hälfte der angepeilten 44'000 Stück verkauft.

Veröffentlicht am 2014 M05 23