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NachhaltigkeitsfondsGeld für grünen Strom

Fischgerechte Investition: das geplante Kraftwerk bei Ocourt am Doubs.

In der Schweiz haben Anleger viele Möglichkeiten, in ökologische Projekte zu investieren.

von Oliver Ristau

Die Schweiz und Österreich sind die Hochburgen des grünen Geldes in Europa. In kaum einem anderen Land investieren Anleger mehr Kapital nach ökologischen Gesichtspunkten als in den beiden Alpenstaaten. Hier wie dort sind es 3,6 Prozent des gesamten Fondsvermögens, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen errechnet hat. In Deutschland liegt die Quote unter 1,5 Prozent.

Allerdings halten Nachhaltigkeitsfonds mitunter Aktien, die für viele Anleger wenig mit gesundem Leben und Naturschutz zu tun haben. So hat der Ethikfonds des schweizerisch-niederländischen Anbieters RobecoSAM Millionen von Franken in den Ölkonzern Total, den Pharmariesen Roche und den Tabakmulti Reynolds investiert.

Anteilscheine, Darlehen und Aktien

Doch es gibt auch andere und direktere Möglichkeiten, sein Geld für eine bessere Welt arbeiten zu lassen. Die ADEV Energiegenossenschaft aus Liestal etwa fördert den Ausbau regenerativer Energien. Seit 1985 verfolgt sie ein Ziel: «Die Energiewende gehört in Bürgerhand», fasst Geschäftsführer Andreas Appenzeller zusammen. Damit meint er auch die Finanzierung. Die ADEV zählt heute 2000 Genossenschafter und Kleinaktionäre, die mit ihrem finan­ziellen Einsatz 100 dezentrale Kleinkraftwerke in der Schweiz, im Elsass und in ­Baden-Württemberg möglich gemacht haben. 2013 produzierten diese zusammen knapp 30 Millionen Kilowattstunden – genug, um mehr als 4000 Menschen mit emissionsfreiem Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen.

Die ADEV hat verschiedene, weitgehend transparente Varianten der Geldanlage geschaffen. Wer sich direkt an der Genossenschaft beteiligt und damit die Kapitalbasis für künftige Projekte stärkt, erhält jährlich eine Ausschüttung, sofern die Gesellschaft Gewinne erwirtschaftet. Das war in den vergangenen Jahren mit einer Dividende von 2,0 bis 2,5 Prozent der Fall. Ein Genossenschaftsanteil kostet 500 Franken.

Mitglieder können der Gesellschaft auch Darlehen zur Verfügung stellen, die aktuell bei dreijähriger Laufzeit mit jährlich 1,5 Prozent verzinst werden.

Die dritte Variante ist die Beteiligung mit Aktien an einer der drei Tochtergesellschaften, die in die Stromerzeugung mit Solar-, Wasser- und Windenergie investieren. Derzeit gibt die ADEV Wasserkraftwerk AG neue Aktien zu 1000 Franken Nennwert aus. Mit deren Kauf können Anleger die Modernisierung und Ökologisierung bestehender sowie den Bau neuer Wasserkraftwerke in Frankreich und der Schweiz anschieben. «Bei unseren neuen Projekten geht es darum, sowohl ­grünen Strom zu erzeugen als auch die Umweltbedingungen zu verbessern», sagt Appenzeller. So verspricht ADEV, mit dem Bau eines «ökologisch optimal eingebetteten Kleinwasserkraftwerks» am Doubs die Passage für die Fische zu vereinfachen. Und an der Emme soll der alte Standort Moosbrunnen beim Stahlwerk Gerlafingen wiederbelebt werden.

Nur für langfristige Investitionen

Das Engagement für heimische Kleinwasserkraft wird mit einer Dividende von derzeit 25 Franken pro Aktie belohnt. Diese ­Engagements eignen sich für langfristig ­orientierte Anleger, denn die ADEV-Papiere lassen sich nur schwer wieder zu Geld ­machen. Sie werden lediglich an einer Spe­zialbörse gehandelt, zu Kursen, die teils deutlich unter den Ausgabepreisen liegen.

Die Beteiligung an nachhaltigen Energieprojekten kann Anlegern auch ganz praktische Vorteile bieten. So verspricht die in Mittelhäusern ansässige Energie-Genossenschaft Schweiz den Mitgliedern Sondertarife beim Bezug von Ökostrom und Rabatte von zehn Prozent beim Kauf einer Solaranlage. Ein Genossenschaftsanteil von 500 Franken wird zudem mit zwei Prozent pro Jahr verzinst. Die Rendite ist aber auch hier nicht das entscheidende Argument. Wichtiger ist das Motiv, sich mit dem Ausbau von Sonnenstrom aus atomarer und fossiler Energie zu verabschieden.

Veröffentlicht am 2014 M05 07