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PumpspeicherkraftDunkle Wolken über der «Batterie Europas»

Schluss mit der lukrativen Stromveredelung: Deutschlands Solaranlagen ­graben den Schweizer Pumpspeicherkraftwerken das Wasser ab.

Ungewisse Zukunft: Pumpspeicherkraftwerk am Limmerensee im Kanton Glarus
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Es spielt sich gegenwärtig Eigenartiges ab auf dem Strommarkt. Die AKWs von Mühleberg und Leibstadt stehen wegen Revisionsarbeiten still (siehe Artikel zum Thema «AKW Mühleberg: «Fertigungsfehler» in belgischem AKW setzen BKW unter Druck»). Trotzdem exportiert die Schweiz regelmässig so viel Strom, wie drei AKWs von der Grösse Gösgens produzieren.

So verkaufte die Schweiz am 8. August um 22 Uhr rund 2700 Megawatt Strom ins Ausland. Die Exportspitze über die Mittagsstunden schwindet hingegen zusehends. Der Grund liegt beim Boom der Solaranlagen auf deutschen Hausdächern. Die Solarstromproduktion überschritt im Frühling 2011 erstmals 10'000 Megawatt. Inzwischen fliessen an Sommertagen bereits über 20'000 Megawatt ins Netz. Sie decken zunehmend die Nachfragespitzen am Mittag. Damit gräbt der deutsche Solarstrom den Pumpspeicherkraftwerken das Wasser ab. Axpo, Alpiq und BKW pumpten bisher nachts mit billigem Strom aus Europa Wasser in höher gelegene Speicherseen. Am Mittag verkauften sie den Strom mit Gewinn.

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Noch vor zwei Jahren konnten Schweizer Kraftwerke eine Kilowattstunde Strom in den Mittagsstunden für über acht Rappen verkaufen. Vor einem Jahr lag der Preis am Mittag noch bei sechs Rappen. Jetzt liegt er noch knapp über fünf Rappen. «Der Preiszerfall über die Mittagszeit verläuft parallel zum massiven Zubau der Fotovoltaik in Deutschland und Italien», sagt Samuel Leupold, Leiter des Geschäftsbereichs Inter­national und Handel der BKW.

Sollen Speicherkraftwerke nicht defizitär werden, müssen sie ihren Strom mindestens 30 Prozent über dem Einkaufspreis des Pumpstroms verkaufen können. Beim Hochpumpen des Wassers geht ein Drittel der Energie verloren.

Die Stromkonzerne ver­suchen nun vermehrt, ihren Strom in den restlichen Tageszeiten zu verkaufen. Die BKW-Tochtergesellschaft Kraftwerke Oberhasli produzierte letzte Woche jeweils bis tief in die Nacht mit einer Leistung von rund 600 Megawatt. Die Aussichten für die Stromwirtschaft sind aber wenig rosig: «Wir ­riskieren, dass die Fotovoltaik­anlagen die Pumpspeicherkraftwerke kannibalisieren», sagt BKW-Mann Leupold.

Trotz der Trendwende preist Bundesrätin Leuthard die Schweiz im Ausland weiterhin als «Batterie Europas» an. Jürg Buri, Geschäftsleiter der energiekritischen Vereinigung Energiestiftung, glaubt hingegen: «Das Risiko ist gross, dass neue Pumpspeicherkraftwerke nie rentieren werden.»n

Veröffentlicht am 14. August 2012

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6 Kommentare

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Walter Friederich
Lesen bildet! Der PV, dem Wind wird vorgeworfen sie fluktuieren, sind dem Verbrauch nicht angepasst. So schimpfen die großen Energieversorger! PV ist teuer, man will die Verbraucher dagegen mobilisieren! Mit Erstaunen stellt man fest, dass die Sonne tags scheint und PV angepasst Strom liefert und die Preise drückt...... das kann den Verbraucher nur freuen! Nun wird mit umgekehrten Vorzeichen gejammert, Profitinteressen sind berührt! .... bleiben wir sachlich! das Geschäftsmodell "Pumpspeicher" wird bei massiven Ausbau der Regenerativen wieder interessanter, dann wird PV Strom in die Nacht hinein gespeichert. Und wenn die Prognose schlechtes Wetter meldet wird konventioneller Strom gespeichert und der Speicher deckt die Spitze!
Hanspeter Knechtli
Der Artikel ist von den ueblichen Tageszeitungen abgeschrieben und wird deshalb nicht wahrer. Er bezieht sich auf einen zu kurzfristigen Fokus. Auch wenn die Sonnezellenverbuende ueber Mittag bei gutem(!) Wetter den Strom bringen moegen, so ist in der Nacht nichts von dieser Seite zu erwarten. Heutzutage werden die Speicherseen nachts von Atom- und Flusskraftwerken gefuellt. Zumindest die Atomkraftwerke sind laengerfristig nicht mehr verfuegbar. Dann werden die Speicherseen eben am Tag mit Solarstorm gefuellt, und abends wird der Strom wieder bezogen. Da das Wetter fuer die Solarzellen europaweit nicht immer genuegend gut ist, werden eher mehr Speicherseen benoetigt.
Kuhlmann Hellmut
Letzter Teil H.Kuhlmann " zu diesem Gejammer: Somit liesse sich die dort nicht benötigte Energie bei uns einsetzen. Aber auch das Umgekehrte wird der Fall sein. Die Kosten einer West-Ost Strom-Pipeline wird auf 180 Milliarden Euro bei einer Bauzeit von 15-18 Jahren geschätzt. Die Folgen des AKW-Unfall Fukushima wird weit höher zu stehen kommen. Nachhaltig Umdenken könnte sich lohnen. Was hindert die Sromerzeuger von West bis Ost daran?
Kuhlmann Hellmut
Dieses Gejammer "Wie beherrscht man die Stromspitzen" ist beinahe nicht mehr zu ertragen. Eine erfahrene Trägerschaft, könnte sich ja bei der Energie-Erzeugung (exakt Umwandlung) und deren Speicherung (mittels Pumpspeicherkraftwerke) auch einmal Gedanken machen, sich der West-Ost-Richtung (Paris-Deutschland-Polen-Ukraine-Russland-Kasachstan-Mongolei-China-Wladiwostok) zu zuwenden, statt stur in ihren Überlegungen die Richtung Nord-Süd (Norwegen-Deutschland-Schweiz-Italien) zu verfolgen. Sicher benötigt eine West-Ost-Planung vorort diplomatische Vorarbeit. Es wäre denkbar, dass alle Beteiligten einen solchen Energieverbund unterstützen würden. Die Technik ist heute vorhanden. 280'000 Km pro Sekunde legt der Strom (das LIcht) von A nach B zurück. Wenn in Südkorea die Nacht einbricht, haben wir praktisch Tag. Somit liesse sich die dort nich...