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PumpspeicherkraftDunkle Wolken über der «Batterie Europas»

Ungewisse Zukunft: Pumpspeicherkraftwerk am Limmerensee im Kanton Glarus Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

Schluss mit der lukrativen Stromveredelung: Deutschlands Solaranlagen ­graben den Schweizer Pumpspeicherkraftwerken das Wasser ab.

von Otto Hostettler

Es spielt sich gegenwärtig Eigenartiges ab auf dem Strommarkt. Die AKWs von Mühleberg und Leibstadt stehen wegen Revisionsarbeiten still (siehe Artikel zum Thema «AKW Mühleberg: «Fertigungsfehler» in belgischem AKW setzen BKW unter Druck»). Trotzdem exportiert die Schweiz regelmässig so viel Strom, wie drei AKWs von der Grösse Gösgens produzieren.

So verkaufte die Schweiz am 8. August um 22 Uhr rund 2700 Megawatt Strom ins Ausland. Die Exportspitze über die Mittagsstunden schwindet hingegen zusehends. Der Grund liegt beim Boom der Solaranlagen auf deutschen Hausdächern. Die Solarstromproduktion überschritt im Frühling 2011 erstmals 10'000 Megawatt. Inzwischen fliessen an Sommertagen bereits über 20'000 Megawatt ins Netz. Sie decken zunehmend die Nachfragespitzen am Mittag. Damit gräbt der deutsche Solarstrom den Pumpspeicherkraftwerken das Wasser ab. Axpo, Alpiq und BKW pumpten bisher nachts mit billigem Strom aus Europa Wasser in höher gelegene Speicherseen. Am Mittag verkauften sie den Strom mit Gewinn.

Alternative Energien im Clinch

Noch vor zwei Jahren konnten Schweizer Kraftwerke eine Kilowattstunde Strom in den Mittagsstunden für über acht Rappen verkaufen. Vor einem Jahr lag der Preis am Mittag noch bei sechs Rappen. Jetzt liegt er noch knapp über fünf Rappen. «Der Preiszerfall über die Mittagszeit verläuft parallel zum massiven Zubau der Fotovoltaik in Deutschland und Italien», sagt Samuel Leupold, Leiter des Geschäftsbereichs Inter­national und Handel der BKW.

Sollen Speicherkraftwerke nicht defizitär werden, müssen sie ihren Strom mindestens 30 Prozent über dem Einkaufspreis des Pumpstroms verkaufen können. Beim Hochpumpen des Wassers geht ein Drittel der Energie verloren.

Die Stromkonzerne ver­suchen nun vermehrt, ihren Strom in den restlichen Tageszeiten zu verkaufen. Die BKW-Tochtergesellschaft Kraftwerke Oberhasli produzierte letzte Woche jeweils bis tief in die Nacht mit einer Leistung von rund 600 Megawatt. Die Aussichten für die Stromwirtschaft sind aber wenig rosig: «Wir ­riskieren, dass die Fotovoltaik­anlagen die Pumpspeicherkraftwerke kannibalisieren», sagt BKW-Mann Leupold.

Trotz der Trendwende preist Bundesrätin Leuthard die Schweiz im Ausland weiterhin als «Batterie Europas» an. Jürg Buri, Geschäftsleiter der energiekritischen Vereinigung Energiestiftung, glaubt hingegen: «Das Risiko ist gross, dass neue Pumpspeicherkraftwerke nie rentieren werden.»n

Veröffentlicht am 2012 M08 14