Als McDonald’s 1986 mitten in Rom eine Filiale eröffnete, hatte Carlo Petrini die Nase voll: Zusammen mit kulinarisch Gleichgesinnten demonstrierte der Gastrokritiker am Eröffnungstag vor dem amerikanischen Kettenrestaurant und zelebrierte an einem reich gedeckten Tisch genüsslich die italienische Speisekultur. «Slow Food» als Aktion gegen Fast Food war geboren. Die Protestbewegung propagiert seither unermüdlich das «Recht auf gemächlichen Genuss» und kämpft für den «Reichtum der Geschmäcker aller regionalen Küchen».

Die Idee hat in zahlreichen Ländern Anhänger gefunden. Doch im Arbeitsalltag hat der gemächliche Genuss gegenüber der schnellen Fütterung einen immer schwereren Stand. Der Anteil der Mahlzeiten, die ausser Haus eingenommen werden, steigt ständig. Nur profitieren die traditionellen Restaurants weniger davon als die Fast-Food-Betriebe. Mögliche Gründe dafür:

  • Fast Food kommt den Bedürfnissen einer mobilen und schnelllebigen Gesellschaft entgegen.
  • Fast Food ist praktisch. Es ist spontan verfügbar und wird oft im Stehen eingenommen.
  • Fast Food kostet meist weniger als eine warme Mahlzeit in einem herkömmlichen Restaurant.
  • Fast Food ist «Finger-Food». Umständliches Essen mit Besteck entfällt.
  • Fast-Food-Angebote bieten eine gewisse Sicherheit. Egal, ob man den Hamburger in Bern, Oslo oder in New York isst – er schmeckt überall gleich.
  • Fast Food steht für einen modernen Lebensstil, wo der Event alles und die Art der Nahrung nichts ist.

Fast Food kann auch fettarm sein

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Und doch: Viele haben beim Schnellimbiss ein schlechtes Gewissen. Denn sie wissen: Ob Hamburger, panierte Hühnchen, Würstchen mit Senf, Pommes frites – Fast Food ist mehrheitlich «Fat Food» oder «Junk-Food», wie der Schnellimbiss auch genannt wird.

Ernährungsexperten fassen den Begriff «Fast Food» deutlich weiter: alle Speisen, die sich für ein Essen auf die Schnelle eignen. Also auch ein Joghurt, ein Apfel, ein Salat, ein zu Hause vorbereitetes Butterbrot, ein Stück Schokolade und manches mehr. Ernährungswissenschaftler vermögen deshalb nicht zu sagen, Fast Food sei grundsätzlich ungesund oder gesund. Es kommt – wie so oft – auf die Menge, die Ausgewogenheit und die Umstände an.

Die generelle Empfehlung lautet: kleine Mengen Fett, nicht zu viel Eiweiss und so viele wertvolle Kohlenhydrate (Stärke, Ballaststoffe) wie möglich.

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Ist eine Fast-Food-Mahlzeit insgesamt fettarm oder enthält sie neben fettreichen grosse Mengen fettarmer Zutaten wie Salat, Gemüse, Obst, Brot, Mehl, Nudeln, Reis oder Kartoffeln, gibt es grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden. Doch wie oft ist dies der Fall? Und was ist mit dem eigentlichen Zweck von Fast Food? Essen auf die Schnelle bedeutet nämlich meistens, dass das Essen Nebensache ist. Wer aber nebenbei isst, isst oft zu schnell und auch mehr als nötig. Über den Tag verteilt, werden so unbemerkt zu viele Kalorien aufgenommen. Die Folgen sind Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gewichtsprobleme.

Der erste Ratschlag lautet deshalb: Essen Sie langsam – auch Fast Food! Nehmen Sie sich Zeit, das Essen zu geniessen, und essen Sie bewusst. So verlieren Sie nicht so schnell den Überblick darüber, wie viel Sie gegessen haben. Dies gilt für das Frühstück ebenso wie für die Zwischen- und Hauptmahlzeiten. Berufstätige können sich an folgende Ernährungsregeln halten:

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  • Frühstücken Sie königlich. Das Frühstück liefert die wichtige Startenergie für den ganzen Tag. Das Abendessen liegt meist mehr als zehn Stunden zurück.

Die Energiereserven sind dadurch aufgebraucht und müssen wieder aufgefüllt werden. Ausgesprochene Morgenmuffel können als Ersatz für das Frühstück ein gehaltvolles Znüüni mitnehmen (zum Beispiel ein Vollkornbrötchen mit Käse, verschiedene Früchte und Nüsse, ein Joghurt).

Kleine Mahlzeiten zwischendurch

  • Unterbrechen Sie Ihre Arbeit. Wer regelmässig Pausen macht und etwas Kleines zu sich nimmt, hält länger durch und hat vor den Hauptmahlzeiten keinen Heisshunger. Als Zwischenmahlzeit gilt eine Mahlzeit, die rund 10 Prozent des Energiebedarfs deckt. Das entspricht maximal 200 bis 300 Kilokalorien, je nach dem persönlichen Energiebedarf. Grundsätzlich sind zwei bis drei kleinste bis kleinere Zwischenmahlzeiten am Tag sehr zu empfehlen. Aufgepasst: Viele Fertig-Snacks liefern mehr als 10 Prozent des Energiebedarfs. Von einer Zwischenmahlzeit kann da nicht mehr die Rede sein.

  • Getränke sind ebenfalls Zwischenmahlzeiten. Kaffee ist in unserer Arbeitswelt das am häufigsten eingenommene Getränk. Er steigert die intellektuelle Leistungsfähigkeit und vermindert Müdigkeit. Aber Achtung: Die stimulierende Wirkung einer Tasse Kaffee hält zwei bis drei Stunden an und lässt sich nicht durch erhöhte Dosen steigern. Im Gegenteil: Zu viel Koffein bewirkt Konzentrationsschwächen, Gedankenflucht und Nervosität. Ausserdem erhöht Kaffee die Herztätigkeit und die Flüssigkeitsausscheidung.

  • Auch zuckerhaltige Getränke sind nicht die besten Durstlöscher. Sie schaden den Zähnen und liefern «leere» Kalorien, das heisst, sie leisten keinen Beitrag zum Vitamin- und Mineralstoffbedarf des Körpers. Am besten ist es, den Durst mit zuckerfreiem Mineralwasser, verdünnten Fruchtsäften, Tee oder Hahnenwasser zu stillen (1,5 bis 2 Liter pro Tag).

  • Wer wenig Zeit für die Mittagspause hat und erst noch Geld sparen will, sollte sich wenigstens ab und zu ein Picknick von zu Hause mitnehmen (zum Beispiel kalten Braten oder Pouletschenkel mit Vollkornbrot; dazu: zwei rohe Rüebli und/oder zwei frische Früchte). Wer abends kocht, kann aus manchen Resten (Reis, Teigwaren, gekochtes Gemüse) schnell und einfach einen guten Salat zusammenstellen. Im Voraus zubereitete Speisen müssen allerdings am Arbeitsort gekühlt aufbewahrt werden können.

  • Wer oft an ausgiebigen Geschäftsessen teilnehmen muss, sollte ein leichtes Menü wählen und mit Alkohol zurückhaltend sein. Frischer Fruchtsalat zum Dessert liefert weniger Fett als Schokoladenmousse und ist zudem ein guter Vitaminlieferant.

  • Abends sollte man wie ein Bettler speisen. Denn Magen und Dünndarm legen sich früh zur Ruhe und geben die Nahrung nur noch langsam weiter. Ein voller Magen stört den Schlaf.

Gut Ding will Weile haben

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Ausgewogen und bewusst genossenes Essen stärkt die Abwehrkräfte gegen Stress. Für «Slow Food» sprechen auch die Hintergründe der industriellen Fast-Food-Produktion: Kälber, Hühner, Schweine sind «Rohstoffe», die in kürzester Zeit höchste Erträge bringen müssen. Eine Legehenne hat eine Lebenserwartung von eineinhalb Jahren – natürlich wären zwölf. Ein Wildschwein im Wald lebt 20 Jahre, ein Mastschwein frisst sich zwangsweise in wenigen Monaten seine 100 Kilo an, um dann beim Schlachter zu enden. Auch Beilagen wie Gemüse und Käse stammen meist aus technisch beschleunigter Produktion. Und was an Geschmack fehlt, wird durch künstliche Aromen beigefügt.

«Slow Food»-Anhänger dagegen wissen: «Gut Ding will Weile haben.» Auch auf dem Teller.

Fragen zur Ernährung?

  • Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE), Postfach 8333, 3001 Bern, Telefon 031/3850008 (Nutrinfo); Internet: www.sge-ssn.ch
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